Bad Aibling – „Geh zu, bleib da“ lautet der Titel des neuen Programms, das Wolfgang Krebs im vollbesetzten Kurhaussaal präsentierte. Den roten Faden bildete die augenzwinkernde Sorge ums Bayernland, die von den vom ihm parodierten wichtigen Personen der älteren und jüngeren bayerischen Geschichte artikuliert wurde. Zum Auftakt schlüpfte der „Meister-Imitator“ in die Rolle des umtriebigen „Schorsch Scherberl“, der in Untergamskobenzeißgrubengernhaferlverdimmering als Vorsitzender aller 30 Ortsvereine agiert. Er beklagte, dass im Ort immer die gleichen Ehrenamtler tätig sind, aber nie die vom Neubaugebiet. Seinen Blick über den Ortsrand hinaus richtete er nach München, wo er nach einem grünen Sieg bei der OB-Wahl eine autofreie Innenstadt prophezeite: „Dann gehen wir mit dem Handwagerl zur A9 und laden uns die Waren vom Lkw herunter“, befürchtete er.
In seiner Paraderolle als Edmund Stoiber wies Krebs auf die stolze Aiblinger Hochkultur hin an der „Via Desiderio“ – benannt nach dem ehemaligen Kurdirektor: „Das war die Zeit, in der die Münchener noch auf den Bäumen herum geklettert sind.“ Er streifte die sozialen Medien „Fakebook und Zwitscher“, kritisierte die Benennung der PISA-Studie nach einem schiefen Turm und erinnerte sich, dass früher Schulschwänzer von der Polizei aufgelesen wurden. Er lästerte ferner über das Baukindergeld („entspricht zwei Eimer Wasser für ein Schwimmbad“) und über die geforderte Abschaffung der Pendlerpauschale („wenn die Pendler nicht mehr nach München fahren, dann funktioniert dort nichts mehr, weil Krankenschwestern und Polizisten dort ohnehin nicht mehr wohnen“). Zu Söder merkte er schließlich an, dass es im IKEA-Sortiment eine gleichnamige Hängelampe gebe, Markus Söder sich aber für eine Stehlampe halte.
Nicht minder überzeugend wirkte der Imitator als Horst Seehofer, der ebenfalls Aiblinger Lokalkolorit versprühte mit dem Hinweis „auf die Fläche, wo einst ein Hotel stand“. Dies sei der ideale Ort für das Bundesheimatministerium: „Weit genug weg von Angela Merkel, nah genug bei Markus Söder.“ Er streifte das Thema „Autobahnmaut“ und lästerte über den Instagram-Account von Digitalministerin Dorothea Bär.
Als Markus Söder schwadronierte er über die AfD und über Annegret „Krampf“-Karrenbauer aus dem Saarland. Dort könne man mit dem Häkeln eines Topflappens Abitur machen.
König Ludwig II. bekannte, dass er seinerzeit die Schulden des aus Sachsen stammenden Richard Wagner beglichen habe, sei eine frühe Form des Länderfinanzausgleichs gewesen.
Das Publikum spendete bei dem überaus vergnüglichen Abend reichlich Szenenapplaus und einen stürmischen Schlussbeifall. In der Zugabe gab es noch einen verbalen Schlagabtausch zweier Alphatiere. „Ich bin bayerischer Ministerpräsident, Parteivorsitzender und demnächst eventuell auch Kanzlerkandidat“, tönte Söder, worauf Stoiber feststellte: „Respekt – so viel Selbstbewusstsein bei so wenig Talent“.bjn