Wasserburg – Peter Ludwig thematisiert in seinem neuen Film die Verwerfungen in einer Gesellschaft ohne Moral und Ethik. In „Blind Date“ verabreden sich Täter und Opfer. Die Tötung wird dabei zur Dienstleistung, so als hätte man einen Friseurtermin. Entstanden ist ein düsteres Werk surrealer Filmkunst mit tollen Schauspielern und bemerkenswerter Bildsprache.
Täter und Opfer
verabreden sich
Eigentlich ist Peter Ludwig Pianist, Komponist und Arrangeur. Darüber hinaus ist der Musiker aber auch in den Sparten Film und Fotografie sehr aktiv. Ludwig hat bereits mehrere abendfüllende Filme gedreht, zu kulturellen oder auch zeitgeschichtlichen Themen.
Sein neuer Spielfilm „Blind Date“ konfrontiert mit einem Phänomen, das man eher in einer Endzeitgesellschaft verorten würde, nämlich die Verabredung von Täter und Opfer zum Mord. Aber auch die jüngere Kriminalgeschichte kennt ähnliche Fälle, wenngleich nur über die Extreme ausführlich in den Medien berichtet wurde. Als Beispiele seien die Kannibalenmorde von Rothenburg und Leipzig erwähnt, wo der Täter- und Opferwunsch der Tötung jeweils nachgewiesen werden konnte.
In „Blind Date“ bringt Madame Fossoyeur die Akteure zusammen, gegen Honorar versteht sich. Sie ist die Vermittlerin des Todes und organisiert die Befriedigung von Mordlust und Todessehnsucht. Dabei wirkt die Agenturchefin sympathisch, eloquent, verständnisvoll. Sie scheint ihr Handwerk zu verstehen. Sie steigt auf in dieser behördlich genehmigten „Mörder-GmbH“ in einer seelenlosen, sinnentleerten Zeit. Die Art der Tötung ist frei wählbar, Erhängen, Ertränken oder auch Erwürgen, von Angesicht zu Angesicht oder mit Überraschungseffekt. Doch auch hier steckt wie so oft der Teufel im Detail. Ist der fürs Erhängen vorgesehene Strick nämlich zu kurz, muss eine saubere, unblutige Alternative her. Doch mit jeder Minute Verzögerung wurde die Angst des Opfers überdeutlich. Die Ausführung selbst ersparte Filmemacher Ludwig dem Publikum, was die Spannung noch mehr steigerte. Die Kameraführung tauchte ab ins Dunkel. Dennoch wusste der Zuschauer genau, was hinter der verschlossenen Tür passierte. Dazu passten auch die teils skurrilen Dialoge, schwarzhumorig und unterhaltsam. So verabschiedete sich ein Kunde, als die Wirkung des Giftes eintrat mit einem herzlichen „Auf Wiedersehen“, worauf die Täterin abgeklärt entgegnete: „Gerne, wenn alles schiefgeht.“ Susan Hecker spielte Madame Fossoyeur, die freundliche Organisatorin des Todes. Ihr zur Seite stand Auftragsmörder Oliver Schnitt, dargestellt von Hilmar Henjes. Er stellte sein Morden infrage, allerdings nicht wegen der Moral, sondern eher wegen der Langeweile. Mit dem Stuttgarter Schauspieler und Regisseur Hans Peter Cloos in der Rolle eines ungeschickten Henkers stand ein weiterer Profi vor der Kamera. Die 15 weiteren Rollen wurden mit Laien besetzt, die aber wie ihre Profikollegen beeindruckend agierten.
Sehenswerter
„Film noir“
In „Blind Date“ wird der Mord zur Dienstleistung. Peter Ludwig aber ist ein sehenswerter „Film Noir“ gelungen, der seine surrealistische Ästhetik offen zur Schau trägt. Werte und Normen werden durch das Fantastische, Bizarre außer Kraft gesetzt. Die Schock- und Überraschungseffekte sind subtil, oft beunruhigend und gelegentlich sogar verstörend. Die scharf gezeichneten Figuren scheinen widersprüchlich und sind dennoch voneinander abhängig: ohne Mörder keine Opfer und umgekehrt.
Zu sehen ist der Film unter anderem noch einmal am kommenden Montag, 16. Dezember, um 18.15 Uhr im Utopia-Kino in Wasserburg.