Schon seit der Römerzeit sind in unserer Region vereinzelt lateinische Bezeichnungen für Brücken überliefert, die dann zu Ortsnamen umgewandelt wurden. In erster Linie handelt es sich hier um den Inn-Übergang, der für die Römerstraße zwischen Juvavum (Salzburg) und Augusta Vindelicum (Augsburg) existiert hat. Die beiden Ortsnamen Leonhardspfunzen, das rechts des Inn in der alten römischen Provinz Noricum liegt, und Langenpfunzen, das links des Inn in der ehemaligen römischen Provinz Rätien liegt, weisen auf die beiden lateinischen Begriffe pons = Brücke und ponto = Fähre hin, sowie vielleicht auch auf ein romanisches Wort pontena, das ebenfalls Fähre bedeutet, aber nicht (mehr?) nachweisbar ist, sondern von Sprachwissenschaftlern erschlossen worden ist. Im „Lexikon Bayerischer Ortsnamen“ von Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein aus dem Jahre 2006 sind für Leonhardspfunzen unter anderen die folgenden Belege aufgelistet:
790 Pontena (in einer Kopie des 12. Jahrhunderts), ca. 925 Phunzina, vor 1145 Phuncin. Nach 1204-1223 heißt der Ort Phunzen, im 14. Jahrhundert (Kopie des 15. Jahrhunderts) Pfuntzen, bis er 1424 die Zusammensetzung mit dem heiligen Leonhard zeigt: Leonhardspfuntzen. Die heutige Schreibweise begegnet laut „Lexikon Bayerischer Ortsnamen“ erstmalig im Jahre 1831. Der Autor legt dem Siedlungsnamen Leonhardspfunzen das Wort pontena = Fähre zugrunde, sowie den Zusatz Leonhard, der sich auf die Filial- und Wallfahrtskirche St. Leonhard bezieht. Dadurch sollte der Ort von Langenpfunzen, das seine damals längliche Ausdehnung im Namen stehen hat, unterschieden werden.
Die Entwicklung von pontena oder pons (Akkusativ: pontem) zu Pfunzen weist die „Hochdeutsche Lautverschiebung“ auf. Dabei wurde anlautendes p zu pf, zunächst als ph geschrieben, sowie t zu ts, geschrieben als z. Vor Nasal – hier vor n – und folgendem Konsonant wurde zudem aus dem o ein u: Daher „Pfunzen“.
Der Namenforscher Hans Meixner schildert 1921 in „Die Ortsnamen der Gegend um Rosenheim“ die Namensentwicklung von Langenpfunzen. So übermittelt er für das Jahr 804 einen Eintrag in den Freisinger Traditionen: „Ecclesia baptismalis Phunzina“. Meixner erwähnt zudem einen wichtigen kulturhistorischen Aspekt: Da Langenpfunzen keine ecclesia baptismalis = Taufkirche besessen habe, sei hier die Kirche in Pfaffenhofen gemeint.
Mit dieser Einschätzung wird er rund 90 Jahre später vom Archäologen Martin Pietsch bestätigt. Pietsch unterscheidet in seinem Beitrag „Die römische Zeit im Gebiet des heutigen Rosenheim“, der 2010 im Band „Rosenheim – Geschichte und Kultur“ erschien, zwischen den Siedlungen Ad Enum (= Am Inn) und Pons Aeni (= Brücke des Inn). Damit meint er aber nicht Leonhards- und Langenpfunzen, sondern die nahe gelegenen Orte Mühlthal und Pfaffenhofen. Aufgrund von archäologischen Funden ist Pietsch von der Existenz einer römischen Inn-Brücke überzeugt. Daher gehen wir nicht von „Pontena“ – Fähre –, sondern von „Phunzina (villa)“ – Brücken(-dorf) – aus und deuten Langen- und Leonhardspfunzen genauso wie Pfünz am römischen Limes im Altmühltal oder den Namen Pfinz im Pfinztal bei Karlsruhe als „Brückenorte“.