Im Woid is stad – auch in der Oberpfalz

von Redaktion

Altbayerisches Singen mit den Raith-Schwestern und Sabine Sauer im Bad Aiblinger Kursaal

Bad Aibling – Man kennt die Raith-Schwestern in kurzen Lederhosen als Gstanzl-Sängerinnen und Interpretinnen teils kräftig-derber und frivoler Wirtshauslieder. Dass Tanja und Susi Raith aus Roding aber ebenso im „stillen Genre“ zu Hause sind, bewiesen sie eindrucksvoll beim „Altbayerischen Advent“ im Aiblinger Kurhaussaal. Sie verglichen eingangs die Adventszeit von einst und jetzt: „Früher haben wir Nüsse gesammelt und Platzerl gebacken, heute muss man mindestens auf 25 Weihnachtsmärkten gewesen sein.“

Ungewohnt, aber reizvoll auch die oberpfälzische Dialektversion von „Im Woid is‘ so staad“, dem „Titelsong“ aus Ludwig Thomas „Heilige Nacht“. Das Geschehen um Christi Geburt besingen sie mit „Lusts af, es Leid“ („Hört her, ihr Leute“) und „Neamd hod gwacht“. Mit ihren Liedern brachten sie überzeugend zum Ausdruck, wie viel Gefühl und bodenständig-zarte Poesie in dem kernigen oberpfälzischen Dialekt steckt.

Reportage über den
Weihnachtsbaum

Dass das Duo nicht nur über in allen Höhen gefühlvoll-souveräne Stimmen verfügt, sondern auch virtuos Musikinstrumente beherrscht, stellten sie mit Stücken wie dem „Mozart-Menuett“ und dem „Landler“ unter Beweis. Während Tanja die Diatonische Ziach ertönen ließ, spielte Susi Hackbrett und Gitarre. Angenehm zurückhaltend begleitet wurden sie von Andi Blaimer (im richtigen Leben Tanjas Gatte) auf der Gitarre und Robert Bischof (Bass und Tuba). Nicht minder unterhaltsam war der literarische Teil des „heiter-staaden“ Abends, den die Fernsehmoderatorin Sabine Sauer mit ausdrucksstarker Stimme und wandlungsfähiger Mimik und Gestik bestritt. Nach der nicht mehr ganz neuen Weihnachtsgeschenke-Danksagungs-Verwechslung berührte sie mit der Geschichte von der chinesischen Kupfermünze die Herzen der Besucher und ergänzte: „Es gibt auch gute Geschichten aus China zu erzählen, auch in diesen Tagen“. Mit ihren weiteren Texten bot sie eine gelungene Mischung aus humorigen Geschichten wie „Die Weihnachtsgans“ und „Das Krippenspiel“, dem fantasievollen „Warum der Schnee weiß ist“ und der umwerfend-komischen Reportage vom rotierenden Weihnachtsbaum als Zugabe. Auch die Raith-Schwestern belohnten den kräftigen Applaus des begeisterten Publikums, zunächst mit ihrem instrumentalen „Walzer“. Abschließend folgte die Einladung zum Singen des „Andachtsjodlers“, der die Besucher angesichts des „Blues“-artigen Arrangements allerdings nur sehr zaghaft folgten. Anzumerken ist noch, dass der wunderbare „Altbayerische Advent“ eine weitaus größere Besucherzahl verdient gehabt hätte.bjn

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