Wenn das Cello ein Gebet spricht

von Redaktion

Weihnachtskonzert des Wasserburger Kammerorchesters im Rathaussaal

Wasserburg – Zu den guten Traditionen in Wasserburg zählt das Weihnachtskonzert des Kammerorchesters. Für manch einen Konzertbesucher mag Weihnachten nicht beginnen, bevor dieses Konzert nicht vorüber ist, darauf wies in diesem Jahr sogar das Programmheft hin. Und weihnachtlichen Glanz bot dieses Konzert! Der Einstieg mit einem „Concerto“ von Antonio Vivaldi war treffend gewählt. Die barocke Klarheit und der Schwung des Orchesters zogen das Publikum so in ihren Bann, dass es die Spannung hielt und erst mit der passenden Verzögerung applaudierte – ein echtes Kunststück, das Dirigent Stefan Unterhuber am Ende des letzten Stücks nochmals gelang, dort für mehr als fünf lange Sekunden! Es spricht sehr für Publikum und Dirigent, diese Spannung (aus) zu halten!

Mit einem Werk von Jean Sibelius wechselte das Orchester in die Stilepoche der Spätromantik. Einem unerhörten Zufall war es geschuldet, dass der langjährige Orchestervorstand Dr. Hans Steger am Tag des Konzerts verstorben war. Seinem Andenken widmete das Orchester in Anwesenheit der Witwe dieses „Impromptu“, das von gegensätzlichen Stimmungslagen gekennzeichnet ist: Ruhige, fast schon stille getragene Passagen zu Beginn und vor allem zum Ende des Stücks wechselten mit einem tänzerischen Mittelteil. Das „Concerto grosso mit obligatem Klavier“ von Ernest Bloch, das den Reigen vor der Pause schloss, lehnt sich nur dem Namen nach an den Barock an. Tatsächlich ist es ein Werk mit modernen Elementen – das obligate Klavier, das im Barockzeitalter noch gar nicht erfunden war, weist schon darauf hin.

Das Kammerorchester hatte sichtlich Freude an diesem mal an Filmmusik, mal an freitonale Werke anklingenden Stück und lief hier zur Höchstform auf, was das Publikum mit Szenenapplaus zwischen den Sätzen feierte. Unterstützt wurde das Orchester von Yume Hanusch am Klavier, die bei Vivaldi bereits am Cembalo geglänzt hatte.

Nach der Pause stand das klassische Cellokonzert schlechthin auf dem Programm: Joseph Haydns „Konzert für Violoncello in C-Dur“, das erst vor wenigen Jahrzehnten wiederentdeckt worden war, wohl gerade dadurch große Bekanntheit erreicht hat und höchste Ansprüche an den Solopart stellt.

Als Solistin trat Katarina Schmidt aus Stephanskirchen auf. Die junge Musikerin hat in jüngster Zeit in der Region Furore gemacht. Vielen Zuhörern dürfte sie bereits als Mitglied im Rosenheimer Trio Marcato bekannt sein. Kraftvoll stieg das Orchester in den ersten Satz ein, unterstützt von einer kleinen Bläserbesetzung, und begleitete die Cellistin sanft und ausdrucksstark. Diese wiederum entlockte ihrem Instrument, einem Guarnerius-Cello von 1715, eine fantastische Bandbreite von Klängen – sanft singend, kraftvoll rufend, vor Energie vibrierend, dann wieder flüsternd. Besonders der langsame Mittelsatz erlaubte Schmidt, ihr ganzes Können auszuspielen, und das Orchester folgte mit größter Sensibilität jeder agogischen Freiheit. Fast ohne Luft zu holen, stürzten sich Solistin und Orchester in den dritten Satz und beendeten ihn mit furiosem Finale!

Den Abschluss des Programms bildete mit „Prayer“ ein weiteres Stück von Ernest Bloch. Das Solo-Cello übernimmt darin die klagende Stimme eines Menschen, der ein Gebet spricht. Katarina Schmidt riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin, dem Applaus nicht mehr ausreichte. Sein Trampeln mit den Füßen brachte den Saal sprichwörtlich zum Beben.Stefan Kattari

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