Bad Aibling – Das war ein Auftakt nach Maß: Die Kammermusikreihe „Klassik! Bad Aibling“ begann mit einem furiosen Konzert des preisgekrönten Berlin-Piano-Trios. Das Publikum empfing die drei Musiker voller Wärme und geriet während des Konzerts immer mehr ins Schwärmen.
Selten hört man ein Klaviertrio mit so genau ausgehorchter und kontrollierter Klangbalance: Der Geiger Krzysztof Polonek kann mittels des Bogendrucks unendlich variable Farbschattierungen des Klangs realisieren und bleibt immer tonklar und oft schwelgerisch-süß, Katarzyna Polonek verfügt über einen betörend sonor-schönen Cello-Ton, kann sich unauffällig zurückhalten und tritt dann aber, wenn’s verlangt ist, lyrisch ausdrucksstark hervor, Nikolaus Resa steuert vom Klavier aus immer neue Energieausstöße bei.
Alle drei kommunizieren hervorragend mit Blicken und körperlichen Zuwendungen, oft aber geradezu blind sich vertrauend. Mit feinem Lächeln freuen sie sich oft schon bei den Introduktionen auf das musikalische Feuerwerk, das sie gleich zünden werden.
Geistreich, witzig, dann träumend singend und am Ende in genau kontrollierter Ausgelassenheit gelingt das Klaviertrio in G-Dur von Joseph Haydn, das Cello verschmilzt dabei einmal mit dem Klavier und dann mit der Geige zu exquisitem Klang.
Die drei Musiker blieben nicht im üblichen Klassik-Romantik-Schema: Mit dem Klaviertrio Nr. 1 „Cinq pièces brèves“ von Bohuslav Martinu (1880-1959) präsentierten sie eine lebensfroh-vitale und großstädtisch-moderne Musik mit leichten Jazz-Anklängen, motorisch aufgedreht, mit intensiven Streicherklängen, die sich gegenseitig zu umarmen scheinen, eilig rennend, heiter lächelnd und am Ende hochvirtuos.
Schwelgen ohne Ende konnten die Musiker dann im H-Dur-Klaviertrio von Johannes Brahms und im „Dumky-Trio“ op. 90 von Antonin Dvorák. Immer blieb das Klavier bei aller Brahmsischen Fülle in den dichten, ja sämigen Gesamtklang eingebunden. Die Zeit schien stillzustehen im Adagio des Brahms-Trios, das an die Seligkeiten der langsamen Beethoven-Sätze erinnert, und im Finale entdeckte das Trio ein bisschen Walzerlust.
Das Dumky-Trio – so benannt, weil es sich um eine Folge von sechs Tänzen handelt – bebte vor musikantischem Spiel, blieb gleichwohl fein und zart in der so poetischen dritten Dumka und endete feurig mit der kurzen Stretta, die den Beifall der Zuhörer spontan aufbranden ließ. Dafür bekamen sie als Zugabe das Scherzo aus dem C-Dur-Klaviertrio op. 87 von Brahms, spukhaft huschend und lyrisch aufblühend gespielt.