Giora Feidman ist „very Klezmer“

von Redaktion

Der 83-jährige Star-Klarinettist begeistert sein Publikum in Söllhuben

Söllhuben – „Giora Feidman wird heute abend nicht spielen…“ – die Ankündigung von Thomas Schütz, selbst Bariton und Organisator der Nightingale-Konzertreihe, sorgte nur für einen kurzen Moment des Entsetzens, denn die Entwarnung kam prompt: „Er wird mit seiner Klarinette singen.“ Singen als Verklanglichung der Atmung, als Türöffner für die Seele, als Ausdruck der Spannung und Entspannung, all diese Ankündigungen Schütz‘ wurden wahr.

Denn für Feidman, in Argentinien geboren und musikalisch auf der ganzen Welt zu Hause, ist Musik die Sprache der Seele, und vom ersten Ton an nahm der Klarinettist sein Publikum im vollbesetzten Hirzinger-Stadl in Söllhuben gefangen.

Virtuoses Klarinettenspiel

Meisterlich die leisen Töne – mit mehr gehauchtem als voll und satt klingendem Klarinettenton stimmte er das bekannte hebräische Volkslied „hava nagila“ (lasst uns glücklich sein)“ an – und nicht minder virtuos, wie er seine Finger an Vivace- oder Prestissimo-Stellen nur so über die Klappen fliegen ließ. Zusammen mit Gitanes Blondes, einer vierköpfigen Formation aus Geige, Gitarre, Kontrabass und Akkordeon, sorgte er für ein wohltuendes Wechselbad aus Melancholie und Lebensfreude.

Zu seiner spitzbübisch-charmanten Moderation im jiddisch-englisch-deutschen Sprachenmix passte der Wechsel der musikalischen Stilrichtungen, der Tonarten und der Rhythmen: Irgendwo zwischen Volksliedern, Gospels, Balkan-Musik, Klassik und Jazz. Es war eine musikalische Reise quer durch alle Epochen und quer durch die Welt. Gitanes Blondes war der perfekte Partner, denn zum einen sind die Musiker selbst aus unterschiedlichsten Ländern – Mario Korunic (Geige) ist gebürtiger Kroate, der Akkordeon-Spieler Konstantin Ischenko stammt aus Russland, Christoph Peters (Gitarre) und Simon Ackermann (Kontrabass) sind aus München – und zum anderen ergänzten sie perfekt den Klezmer-Sound.

Sichtlich davon beflügelt, aber auch angetan von der Musikalität des Publikums beim Mitsingen, wirbelte der inzwischen 83-jährige Starklarinettist musikalisch auf der Bühne und bewies seine noch immer beeindruckende Spielkraft.

Die Zugabe bewies das noch einmal aufs eindrücklichste, ein leidenschaftlicher Kontrabassist, ein Sirenenton auf der Geige, dann eine wilde Verfolgungsjagd aller Instrumente hin zu dem Klezmer-Lied „Amigos“ und mit „Guten Abend, gute Nacht“ endend.

In einem Interview mit BR-Klassik anlässlich seines 80.Geburtstages merkte er an, dass er sich als reich beschenkter Mann fühle, aber das Kompliment muss man zurückgeben: Zusammen mit Gitanes Blondes umarmte Feidman symbolisch sein Publikum, das Eingangslied „hava nagila“ war hier nicht nur symbolische Aufforderung zum „glücklich sein“, sondern auch Geschenk in Form von reicher Musik, eben „very Klezmer“.

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