Eine spannende Entdeckungsreise

von Redaktion

Galerie im Alten Rathaus in Prien zeigt Werke eines regionalen Dreigestirns

Prien – „Künstlerfreunde“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Priener Galerie „Im Alten Rathaus“. Und dieser Titel ist absolut wörtlich zu nehmen. Waren doch Marianne Lüdicke, Konrad Huber und Lenz Hamberger Künstler, die sich trotz ihrer Verschiedenheit oder gerade deshalb gegenseitig bewunderten und zudem Freunde waren.

Die Bildhauerin Marianne Lüdicke wäre im vergangenen Herbst 100 Jahre alte geworden, der Maler Konrad Huber vor knapp drei Wochen. Lediglich Lenz Hamberger ist weit davon entfernt. Er wird im kommenden August 80 Jahre alt. Geehrt wird mit dieser Ausstellung jedoch das ganze „Dreigestirn“ der Priener Kunstlandschaft.

Exponate sind exemplarisch

Gerecht verteilt ist auch die Anzahl der Exponate. Bereits im Foyer der Galerie sind Kostproben der drei Künstler zu sehen: die Bronzeskulpturen „Patriarch Jakob“ und „Frau im Mantel“ von Marianne Lüdicke, der Holzschnitt „Berge“ von Lenz Hamberger und das Acrylbild „Araberinnen IV“ von Konrad Huber.

Allesamt sind die Exponate exemplarisch für das Werk der drei Künstler. Die runde, geschlossene Form mit ihrer starken Innerlichkeit der Bronzefiguren von Marianne Lüdicke, die orientalische Gelassenheit in den Bildern der Araberinnen in ihren roten und orangefarbenen Gewändern von Konrad Huber und die handwerkliche Perfektion im Farbholzschnitt von Lenz Hamberger.

Überraschungen
im zweiten Stock

„Na gut, das kenne ich alles schon“, mag sich so mancher Ausstellungsbesucher denken. Doch weit gefehlt: Im ersten und zweiten Stockwerk der Galerie wird er eines Besseren belehrt. Denn dort erwarten ihn viele Überraschungen.

Hier zeigt Lenz Hamberger neben Holzschnitten von Bergen und Pflanzen auch Karikaturen und viele Schriftbilder. Texte von Ernst Jandl wie „Ich gehe fort, dort ist kein Ort, wenn ich dort bin, bin ich dahin“ oder von Robert Walser „Der Mond ist die Wunde der Nacht“. Von Paul Celan „Du bist, wo dein Auge ist“ , einige japanische Haikus, aber auch eigene Texte wie „Ich liebe dich, Baum“, stehen sinnbildlich für das Schaffen Lenz Hambergers. Dessen Herz schlug seit jeher für das Holz. Unglaublich, wie mit dermaßen aufwendigen Techniken wie Holz- und Linolschnitt so viel Lebendigkeit eingehaucht werden kann.

Am überraschendsten jedoch sind die Holzschnitte, aber auch die Mischtechniken und Fettkreiden mit den Titeln „Selbst“. Sie befinden sich in Privatbesitz und sind in dieser Ausstellung erstmals öffentlich zu sehen.

Viele Holzschnitte stammen aus den Erinnerungen an die gemeinsamen Reisen mit Konrad Huber wie das griechische Meteora-Kloster (im Treppenhaus).

Während Lenz Hamberger diese in seinen Holzschnitten verewigt hat, tat Konrad Huber dies in seinen Acrylbildern und Aquarellen, so neben seinen Araberinnen in einer Wüstenstadt oder „Arabischen Krügen“. Im großen Raum im zweiten Stockwerk sind viele biblische Frauen zu sehen: Ruth mit Getreidehalmen, Rachel mit Schafen, eine Samariterin mit Kamelen oder Susanna im Bade, heimlich beäugt von zwei kleinen dunkelhäutigen Buben – und natürlich Adam und Eva mit Apfel und Schlange.

In einer Ecke dieses Raumes befindet sich eine ganze Gruppe mit Bronzeplastiken von Marianne Lüdicke: Eine lesende Frau, ein feierliches Paar, ein Schafhirte, ein sich begegnendes Paar und eine Bronze mit dem Titel „Eingehüllt“. In den übrigen Räumen sind Plastiken aller Art, ob sitzend, stehend oder liegend zu sehen.

Kleiner Raum
mit Fotografien

Eine Besonderheit in der Ausstellung ist ein kleiner Raum mit Fotografien von Häuserfassaden und Wandmalereien sowie ein Entwurf des Wieningerblocks in einer Glasvitrine. Nur gut, dass Prien einige Fassadenbilder von Konrad Huber erhalten geblieben sind. Wer diese Ausstellung besucht, geht auf eine spannende Entdeckungsreise. Zu sehen ist sie bis 22. März, dienstags bis sonntags, 14 bis 17 Uhr.

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