Bruckmühl – Bewegt sich der Farbauftrag der Bilder von Lali Johne tatsächlich auf den Betrachter zu? Werden die rund geformten Steinskulpturen von Martin Schneider – undefinierbaren Lebewesen gleich – langsam durch den Raum schleichen? Alles andere als statisch ist die Präsentation der beiden Künstler in den Räumen der Galerie Markt Bruckmühl.
Verblüffende Beschwingtheit
Die in Rosenheim geborene Malerin Lali Johne verleiht ihren starkfarbenen Bildern durch den Umgang mit zwei Pinseln eine verblüffende Beschwingtheit. Sie malt nämlich beidhändig. Sie ist Linkshänderin, hat sich aber aus eigenem Antrieb auf die rechte Hand umtrainiert.
Sie setzt mit den Pinseln am linken sowie am rechten Bildrand an und schwingt sie über die Leinwand aufeinander zu. In einem Bogen geht es dann ab der Bildmitte zurück zu den Rändern. Die Bewegung wird wiederholt bis die Gestaltung am unteren Bildrand angekommen ist. Zuvor hat die Malerin bereits mehrere Ebenen mit Farbelementen aufgetragen, sodass das fertige Gemälde neben seiner Komposition zudem einen haptischen Reiz ausstrahlt.
Andere Arbeiten von Johne sind geometrische Farbtafeln, traditionellen Patchworkdecken gleich. Auch hier fallen der Farbsinn der Künstlerin und ihre Technik auf: Sie gestaltet transparente Farbschichten übereinander und lässt so die jeweils unten liegende Schicht durchscheinen. Weitere Werke von Lali Johne hängen ungerahmt. Auf Karton sind singuläre Farbtupfer zu sehen. Durch die Reihung mehrerer solcher Blätter entsteht ein Bewegungsmuster entlang der Ausstellungswand.
Ungewöhnliche Titel verleiht die Malerin ihren Bildern: Worte oder Ausdrücke, die sie von langen Auslandsreisen mitgebracht hat. „Kikötö“ ist einer der Titel eines starkfarbigen Bildes, was ungarisch ist und „Binnenhafen“ bedeutet.
Eine sehr eigene Art, den Stein, sei es Kalkstein, Marmor oder Granit, zu bearbeiten, hat der Bildhauer Martin Schneider entwickelt. Seine meist kugelförmigen Elemente zeugen von intensiver Gestaltungsarbeit. Er kreiert Formen, die es in der Natur nicht gibt, die aber doch auf den ersten Blick natürlich wirken. Um diese Natürlichkeit zu unterstreichen, legt er seine Skulpturen ohne Sockel auf den Boden der Galerie.
Genau überlegt positioniert der Bildhauer seine Arbeiten im Raum, bis sie in einem sinnvollen Verhältnis zueinander und zu den Bildern an der Wand stehen. Die Oberflächen der Exponate wirken, als ob sie Verwitterungsprozessen erlegen seien. Aber diese Oberflächen sind manuell wiederholt bearbeitet, feine Erhebungen, Ausbuchtungen, Wölbungen und Poren werden mit Bildhauerwerkzeugen geschaffen.
Konflikt zwischen Idee und Material
Martin Schneider befindet sich im ständigen Konflikt zwischen seiner Idee und dem Verhalten des jeweiligen Materials. Denn manchmal kommt es vor, dass der Stein durch intensive Bearbeitung zu Bruch geht und eine Woche Mühe vergeblich war. Dann nimmt Schneider einen weiteren Anlauf und schafft aus den Bruchresten ein neues Werk. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 8. März, mittwochs 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags 11 bis 18 Uhr.