Der Steinkauz als Todesbote

von Redaktion

Dermühl über den Tod im alten Bayern

Rosenheim – Die „Oberbayerischen Literat(o)uren“ in der Rosenheimer Stadtbibliothek hatten sich mit dem Historischen Verein zusammengetan, um den bayerischen Autor Peter Dermühl einzuladen. Er sollte aus seinem Buch lesen, das sich mit dem Tod in der bayerischen Kulturgeschichte beschäftigt: „Sepp, jetzt geht’s dahi!“ Seine These ist, dass „der Herr Gevatter Tod aus der Gesellschaft davongejagt wurde“.

Doch bis er dazu kam, gab er eine Sammlung heidnisch-schwärzester Ängste vor dem Tod zum Besten, die vor allem Tiere betrafen: Da galt der putzige Steinkauz als Todesbote, weil sein „Gesang“ klingt wie „Komm mit!“. Deswegen wurde er Kommitchen oder auch Leichenhuhn genannt und gnadenlos gejagt. Auch Raben, Dohlen („des Pastors schwarze Tauben“), Krähen, Eichelhäher und Elstern, ja selbst Maulwürfe galten als Todesboten.

Natürlich kam Dermühl auch auf das bayerische Nationalepos schlechthin zu sprechen, den „Brandner Kaspar“, und auf den „Münchner im Himmel“ von Ludwig Thoma. Doch statt aus seinem Buch zu lesen, plauderte er ausführlich über das Geschriebene, umwickelte es mit interpretierenden Bemerkungen, statt sein Buch sprechen zu lassen.

Selbst die titelgebende Geschichte des niederbayerischen Bauern, der einen vorbildlich bayerischen Tod starb und zu seinem Freund Sepp, der ihm aus dem Katechismus vorlas, sagte: „Sepp, jetzt geht’s dahi!“, kam nicht zur Wirkung, weil Dermühl sich immer wieder beim Plaudern verlor. Dabei hätte er bloß lesen müssen, was er ja fein formuliert aufgeschrieben hatte. Nun muss man halt das Buch selber lesen.

Artikel 3 von 11