Seeon – Im Beisein vieler prominenter Ehrengäste wurde der 80. Geburtstag des Siegsdorfer Künstlers Walter Angerer in Kloster Seeon gefeiert. Das Fest für den in Bad Reichenhall geborenen Künstler war verbunden mit der offiziellen Einweihung seiner vor einigen Monaten aufgestellten Schattenskulptur „Wolfgang Amadeus Mozart – Die Zauberflöte“. Die neue Ausstellung ist eine Retrospektive über die Arbeiten von Walter Angerer innerhalb der vergangenen 40 Jahre, darunter Zeichnungen, Aquarelle, Acrylbilder und kleinere Schattenskulpturen.
Ganz eigener Blick
auf Landschaften
In der ganz eigenen Schau des Künstlers auf die Landschaft verbindet er wie in vielen seiner Werke Modernes mit Traditionellem. Da sind Angerers farbige, ausdrucksstarke Landschaftsbilder des Chiemsees, von Bergen und einige kolorierte Zeichnungen anderer Bergmassive, die immer wieder mit unerwarteten Farbakzenten des Künstlers überraschen, zum Beispiel dem roten Vogel, schwirrend über dem blaugrünen Taubensee. Aber auch die meisterhaften Porträts sind zu sehen, für die Angerer auch von berühmten zeitgenössischen Kollegen geschätzt wird.
Ein vor mehr als 40 Jahren entstandenes Bild, „Schlacht der Maiskolben“, ist nur auf den ersten Blick eine einfache Naturdarstellung. Wie in fast allen seinen Werken sind hier bereits seine Borkenkäferspuren zu entdecken und damit die über sich selbst hinausweisende Symbolik. „Die kompositorische Klarheit von Zeichen und Symbolen in meinen Fraßbildern erzeugt verborgene Vorstellungen und neue Gedankenwelten. Ihre Betrachtung lässt uns die Freiheit eines Sternenhimmels, durch kein Oben und Unten, kein Links und Rechts beengt, offenbart sie uns unter jedem Blickwinkel andere Inhalte aus einem unbekannten Kosmos“, sagte der Künstler selbst vor rund 30 Jahren.
Der Publizist Willi Schwenkmeier hielt die Laudatio auf Walter Angerer: „Es geht darum, seine herkömmlichen Sehmöglichkeiten und die dadurch bedingten Interpretationen ständig neu zu befragen, denn nichts ist auf Dauer eintöniger als immer nur von einem Standpunkt aus zu schauen.“ Wenn man als Betrachter dazu bereit sei, sich den Kunstwerken auszuliefern und die in ihnen steckenden Geschichten zu finden und zu verstehen, könnte man zum Beispiel Mozart sehen und das Gefühl haben, plötzlich die Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ zu hören.
Bezirkstagspräsident Josef Mederer freute sich, dass Angerer der Jüngere fester Bestandteil des Bildungszentrums Kloster Seeon ist. Immer wieder thematisiere er durch seine Werke, die Jahrhunderte alte Geschichte von Kloster Seeon. Schon 1997 war hier Angerers Ausstellung „Mozart im 20. Jahrhundert“ und im Jahr 2000 die viel beachtete Präsentation „Der Zeit ins Gesicht“ zu sehen.
Mozart darf
nicht fehlen
Der Künstler selbst dankte allen Verantwortlichen die seine Ausstellung so perfekt organisiert hatten. Hohen Dank zollte er auch Familie Ziegler von der Schlossbrauerei Stein, die die Herstellung der aufwendigen Skulptur finanziell ermöglicht hatte. Während des Festakts spielte die Harfenistin Silke Aichhorn passende Stücke auf ihrem Instrument, wobei natürlich Mozart nicht fehlen durfte.
Die neue Ausstellung ist bis Sonntag, 10. Mai, bei freiem Eintritt täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen. Ergänzend gibt es am Samstag, 4. April, 14 Uhr, eine Führung mit Kunsthistorikerin Hedwig Amann, am Samstag, 18. April, 14 Uhr, ein Künstlergespräch mit Walter Angerer in den Ausstellungsräumen und am Samstag, 25. April, 14 Uhr, eine Familienführung.