Weiter warten aufs Kino

von Redaktion

Kinofreunde müssen sich wohl noch gedulden – nur das Kino Bad Aibling will öffnen

Rosenheim – Die Streamingdienste boomen, doch die Kinos stehen seit rund einem Vierteljahr leer und werden nicht bespielt. Während der führende Online-Filmanbieter Netflix sogar die Übertragungsrate drosseln musste, um einem Zusammenbruch der Internetkanäle zuvorzukommen, sitzen Kinobetreiber wehmütig in ihrem leeren Saal und Kinogänger warten sehnsüchtig auf die Wiedereröffnung der Lichtspielhäuser. Theoretisch dürfen Kinos ab 15. Juni wieder öffnen, doch dies ist angesichts strenger Auflagen betriebswirtschaftlich schwierig. Die OVB-Heimatzeitungen haben sich bei den Kinobetreibern in der Region Rosenheim einmal umgehört.

Der Eberhofer
soll es richten

Robert Siersch vom Kino „Aibvision“ mit seinen vier Sälen und maximal 474 Plätzen in Bad Aibling möchte wieder öffnen und seinen Gästen bei den wichtigen Vorsichts- und Hygienemaßnahmen größtmöglichen Aufenthaltskomfort bieten. In der Krise wurden leider wertvolle Rücklagen verbraucht, daher hofft er auf die Polizei, genauer gesagt auf Dorfpolizist Eberhofer: Der neue Streifen „Kaiserschmarrndrama“ läuft Mitte August an und soll möglichst viele Zuschauer in sein Kino locken. Vorher seien keine zugkräftigen Blockbuster in Sicht.

Siersch schätzt die Zuschauerzahlen als „überschaubar“ ein und wird voraussichtlich noch nicht alle vier Säle bespielen. Allerdings sieht er eine Chance für kleinere Filmperlen in dieser Zeit und hat schon einiges im Auge.

Kinobesucher werden ähnlich wie in der Gastronomie einige Regelungen befolgen müssen wie eine spezielle Besucherlenkung und Platzwahl-Richtlinien. Siersch weiter: „Vielleicht gilt heuer auch gerade für diesen Einsatz das „zamhoidn“ mit hoffentlich vielen Besuchern in regionalen Kinos in einem bayerischen Film.“

Martina und Mike Engel von „Mike’s Kino“ in Prien (zwei Säle, maximal 180 Plätze) können und wollen am 15. Juni noch nicht öffnen. Angesichts der behördlichen Auflagen rechne sich ein Spielbetrieb einfach nicht, denn nur jede zweite Reihe könne besetzt werden und auch zwischen den besetzten Plätzen müsse Abstand gewahrt bleiben. Auch beim Personaleinsatz könne man nicht noch weiter sparen. Martina Engel bringt daher die „österreichische“ Regelung mit einem Abstand von einem Meter ins Spiel – dies wäre akzeptabel und ein dann möglicher Termin für eine Neueröffnung wäre Anfang Juli. Auch sie sieht aktuell noch keine Publikumsmagneten bei den angebotenen Filmen, die großen Filmverleiher setzen auf den Herbst. Ähnlich wie für Robert Siersch rechnet sich auch für Martina und Mike Engel die Option „Open-Air- Kino“ nicht. Der Aufwand sei viel zu groß und das Wetter müsse ja auch noch mitspielen, sagt Martina Engel. Und weiter: „Dank den Fördergeldern halten wir momentan noch durch. Und auch unserem tollen Publikum, welches uns durch zahlreiche Gutscheinkäufe und moralischen Zuspruch unterstützt, sind wir äußerst dankbar. Das ist uns eine große Hilfe.“

Einen besonderen Service gibt es mit der Aktion „Mike’s Kino dahoam“, und zwar eine Auswahl besonderer Filme zum Kinoeintrittspreis zum Streamen, darunter „Milchkrieg“, die „Wilde Maus“ und „Der unverhoffte Charme des Geldes“, alle über die Website bestellbar.

Für die Firma Kinopolis, die in sechs Bundesländern große Kinos betreibt und in Rosenheim das „Citydome“, äußert sich Geschäftsführer Dr. Gregory Theile skeptisch zur Situation. Er wartet noch auf die exakte Verordnung, die noch im Gesundheitsministerium ausgearbeitet werde. Entscheidend für ihn sei die Erlaubnis für Gastronomie im Kino, denn ohne Snacks und Getränkeumsatz sei der Kinobetrieb grundsätzlich unrentabel und man wolle bei einer potenziellen Wiedereröffnung nicht draufzahlen. Auch er sieht die Raumbelegung und Auflagen mit einem Abstand von 1,5 Metern als Herausforderung, da es etwa bei einem Toilettengang während der Vorstellung richtig kompliziert werde.

Das Problem mit
der Henne und dem Ei

„Es gibt ein Henne-Ei-Problem“, meint Theile bezüglich des Verhältnisses von Kinos und Verleihfirmen und sieht grundsätzlich die Kinos in der Vorreiterrolle. Wenn diese wieder eröffnen, trauten sich auch die Verleiher mit Kinowerbung, denn große Filme mit möglichen Sommerterminen wie „Tenet“ von Christopher Nolan und „Mulan“ bräuchten einen zeitlichen Vorlauf. „Wir wollen gerne öffnen, die Menschen haben eine Sehnsucht nach Kino!“, so Theile.

Rainer Gottwald vom Kino Utopia in Wasserburg sieht sein persönliches Potenzial im Freiluftkino am Stoa und strebt den 19. Juni als Starttermin an, mit bis zu 100 Besuchern. Zwei Wochen später könne er dann auch die beiden Säle in Wasserburg eröffnen und beobachtet hierfür den Markt für attraktive Filme. „Ich denke, das zweite Halbjahr wird für uns Kinos sehr spannend“, so Gottwald.

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