Mensch, Musik und Mythos

von Redaktion

Ausstellung mit Werken von Antje Tesche-Mentzen in Schloss Hartmannsberg

Bad Endorf – „Kunst soll Genuss, soll angenehm, harmonisch, heilend, belebend und inspirierend sein!“ Die Zuschreibungen der Rosenheimer Kuratorin und Kunsthistorikerin Dr. Evelyn Frick resümieren das Schaffen der Bildhauerin und Malerin Antje Tesche-Mentzen, die seit 30 Jahren in Hafendorf lebt und arbeitet, und die schon in der ganzen Welt, etwa in New York, Paris, Venedig und Peking ausgestellt hat. Und sind Einladung zur Besichtigung zugleich. Denn was sich dem Publikum von Sonntag an bis zum 2. August auf Schloss Hartmannsberg bei Hemhof bietet, ist in der Tat Inspiration und Genuss.

Stelen säumen
den Weg

Schon der Weg zu dem aus dem 11. Jahrhundert stammenden Wasserschloss ist gesäumt von Stelen mit bronzenen Köpfen. Es scheint, als hätten sie schon immer auf diesen Platz gewartet. Am Ufer ruht „Erda“, die Erdgöttin aus Richard Wagners Tetralogie „Der Ring der Nibelungen“, Venus-gleich in Bronze gegossen unter Bäumen am Ufer des Schlosssees.

Auf der Terrasse reflektieren die Stele „Orpheus“ und der wolkenverhangene Himmel die traurige Geschichte von Orpheus und Eurydike – der griechische Held will seine geliebte tote Ehefrau aus der Unterwelt wieder herausführen, darf sich aber auf dem Weg ans Licht nicht nach ihr umdrehen und kann doch der Versuchung nicht widerstehen. Das dunkle Wellenspiel scheint leise den Orpheus’schen Gesang nachzuahmen.

Im Schloss selbst fügen sich Öl-, Acryl-, Bleistift- und Tuschezeichnungen, Schmuckwerke aus Glas und Skulpturen nahtlos in die Räumlichkeiten ein. „Die Bilder sind Teil meines Lebens“, sagt Antje Tesche-Mentzen.

Die vielen unterschiedlichen Stile, die sie allesamt perfekt beherrscht, spiegeln ihre muntere Biografie wider. Für sie, die professionell ausgebildete Balletttänzerin, Sängerin und Künstlerin, sind Malerei, Bildhauerei und Musik eine Symbiose. Während des Schaffensvorgang höre sie Musik, lasse sich von den Tönen inspirieren, und die Begegnung von Musik und bildender Kunst sind eines ihrer Kunst-Kennzeichen. Das Acrylgemälde „Lilith“ oder auch die Skulptur der „Lilith“, die mythische Mondgöttin mit Flügeln aus der sumerischen Dämonologie, entstanden beispielsweise bei der Zusammenarbeit mit dem zeitgenössischen Komponisten Wolfgang Hiller (Jahrgang 1941).

Inspiriert von Dichtern
und Musikern

In einem anderen Raum war Gustav Mahler (1860 bis 1911), „einer meiner Lieblingskomponisten“, so die Künstlerin, Inspirator für ein Ölgemälde. Da sieht man das Gesicht seiner Gattin und Muse Alma Mahlers, dort spielt ein Skelett auf der Geige, da sind Originalnoten der 9. Symphonie Mahlers hineinverwoben – Tesche-Mentzens Kunst verlangt genaues Hinschauen, ein Sich-Versenken. Was auch gewollt ist, denn: „Kunst ist für mich nicht nur ein Spiel mit Form und Farbe.“

Ein anderer Raum ist dem Dichter Rainer Maria Rilke gewidmet, ein weiterer dem Dichterfürsten Johann Wolfgang von Goethe. Textfragmente der beiden Literaten fügen sich in Skizzen aus Venedig ein. Und genau so, wie es bei Goethes venezianischen Epigrammen lautet: „Müde war ich geworden… und Genuß verlangte Erholung…“ strahlen die venezianische Kirche, die Engelsköpfe, von sakralen Postkarten abgedruckt, und die Textstrophen ewige Ruhe aus. Das große Aquarell des Canale Grande schmiegt sich weich an die hellblau-wellenartige rückwärtige Stuckwand – Augenschmaus und Sinnesgenuss pur.

Erinnerungen
an viele Reisen

Für die Schlossgänge haben Kuratorin Dr. Frick und Kulturreferent Christoph Maier-Gehring sich profanere Oeuvres ausgesucht, auf kleinen Kreide- und Tuschezeichnungen hat die Künstlerin Erinnerungen an ihre vielen Reisen quer durch Europa und Asien festgehalten.

Wieder im Garten weist Tesche-Mentzen noch einmal auf die solitär gestellten Stelen: „Wir sind Teil der Natur.“ Mensch und Mythos Hand in Hand und 30 Jahre Kunstschaffen in Hafendorf in harmonischer und inspirierender Symbiose zeigen sich in der aktuellen Ausstellung.

Bis 2. August

Die Ausstellung in Schloss Hartmannsberg beginnt am Sonntag, 21. Juni, und geht bis zum 2. August. Geöffnet ist freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags, 11 bis 18 Uhr.

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