Stephanskirchen – Wer kennt das nicht: Man will einfach nur ausspannen oder sich auf etwas konzentrieren, doch dann gibt es einen Bruch – eine fremde Person kommt hinzu und stört einen in aufdringlicher, distanzloser Manier.
Das Ganze
schaukelt sich hoch
Allermeistens geht das glimpflich aus und der Störenfried wird entweder durch Ignorieren oder Zurechtweisen weiterziehen. Doch wie sieht das aus, wenn das Ganze eine gewisse Eigendynamik entwickelt und sich hochschaukelt ?
Amélie Nothomb verarbeitete einen solchen Hergang in ihrem Roman „Kosmetik des Bösen“. Die Ausgangssituation ist ein verspäteter Flug im Flughafen Barcelona, dort wartet der Geschäftsreisende Jérome Angust und liest in einem Buch. Ein Unbekannter setzt sich zu ihm, stellt sich ungefragt als Textor Texel vor und spricht Angust mit seinem Namen an, den er auf dem Gepäckanhänger gelesen hatte. Angust unternimmt Abwehrversuche gegen den lästigen Fremden, doch dieser erzählt ihm in penetranter Weise Details aus seiner Lebensgeschichte, die zunehmend verstören und erschrecken.
Die Theatergruppe Innszenierung hat eine packende Bühnenfassung umgesetzt und spielt diese als intensives Zweipersonenstück mit einer achtsitzigen Flughafenwartebank im Zentrum. Daniel Hutter mimt den genervten Angust, schwitzend in seinem Geschäftsanzug und mit einer Mimik zwischen Missbilligung und wachsender Panik. Sebastian Kießer ist sein nerviger persönlicher Störenfried Textor Texel, zunächst smart, dann immer direkter. Er entzieht Angust seine Reisetasche, rückt ihm näher auf den phlegmatischen Pelz, umkreist die Wartebank und kehrt sein Innerstes nach außen. Nach und nach lockt er den anderen aus der Reserve mit der Offenbarung privater Details – es ist eine abgründige Begegnung. Für Angust wird der Dialog zu einer Reise zu seinen Alpträumen. Sprechweise und der sich hochschaukelnde Dialog stehen im Mittelpunkt des starken, sehenswerten Stücks mit Thriller-Elementen und Ausflügen in die Psychoanalyse, für das Katja Weingartner Regie führt. So sind viele Nuancen möglichen Sprechens im Dialog vertreten, von grüblerischen Monologen über verbale Provokationen bis hin zu offener Aggression und Verzweiflung. Kießer und Hutter geben dabei ein Duo infernale ab, dem es Spaß macht zuzuhören und -zusehen, inklusive gekonnt gesetzter Mimik und teils spielerischer Gestik. „Jeder tötet, was er liebt“, heißt es in einer Szene. Hierzu kann sich jeder seine Gedanken machen.
Weitere Spieltermine sind morgen, Samstag, Sonntag 26. Juli, Freitag, 31. Juli, und Samstag, 1. August, jeweils um 19.30 Uhr. Tickets gibt es im Vorverkauf unter www.Innszenierung.de oder bei Augenoptik am Schloßberg, Salzburger Straße 19, Stephanskirchen.
Andreas Friedrich