Rimsting – „Sind jetzt alle da? – Alle mal durchzählen!“ In typischer ‚Unser Lehrer Dr. Specht‘-Manier eröffnete Robert Atzorn schmunzelnd die Lesung, die seine Frau Angelika und er spontan in ihrem wunderschönen Garten im privaten Rahmen veranstalteten. Viele Freunde waren anlässlich der Veröffentlichung ihres Buches gekommen.
„Duschen und Zähne putzen – was im Leben wirklich zählt“: Das Buch, das offiziell am 4. September im Eden Books Verlag erscheint, soll zeigen, dass die Schauspielerei oft nicht mit dem Hype und den Lorbeeren verbunden ist, die man dahinter vermutet. Atzorn unterstreicht, dass man letztlich den Erfolg nicht erzwingen kann. Der berühmte Theo Lingen soll einmal auf die Frage „Was muss man tun, um ein guter Schauspieler zu sein?“ lapidar geantwortet haben: „Duschen und Zähne putzen!“
Erinnerungen an
das erste Engagement
Für Robert Atzorn ist das Buch keine Autobiografie, sondern eher eine „Sammlung von eklatanten Ereignissen“ aus dem Leben, zu der seine Frau Angelika ebenfalls einige Geschichten beigesteuert hat. Zum Beispiel die mit dem Titel „Es ist grandios mit einem Schauspieler zu leben“. Darin geht es – so erzählt Angelika Atzorn lachend – unter anderem auch um die Unachtsamkeit ihr gegenüber, bei so manchem Autogramm- und Fotojäger. „Dabei ist diese Frau so wichtig für mich!“, offenbarte ihr Ehemann dem Publikum und an seine Frau gewandt: „Ohne dich wär‘ das alles nix!“
Wer Robert Atzorn erst als Dr. Specht kennengelernt hat, mag glauben, der Schauspieler habe schon immer Erfolge gefeiert. Doch das täuscht, wie er betont: „Den Dr. Specht hab ich ja erst mit Mitte 40 bekommen. Davor drehte sich alles um die Frage ‚Wie schaffe ich es, von der Schauspielerei zu leben?‘“ Mit Ironie, Humor und Dramatik trug er dann die Geschichte von seinem ersten Engagement am Münchner Residenztheater vor. Noch als Schauspielschüler sprang er als Ersatz für einen kranken Schauspieler ein. Während einer Probe sei er als Räuber in dem gleichnamigen Schiller-Stück „dazwischen geschmuggelt“ worden – ohne zu wissen, was er eigentlich tun sollte. Prompt bekam er vom Starschauspieler Helmut Griem die Rechnung. „Mit diesem Schauspieler kann ich nicht arbeiten“, tobte dieser. Erst durch Vermittlung des Regisseurs bekam Atzorn noch eine Chance. So resümierte er: „Das Stück wurde ein großer Erfolg – trotz mir, als viertem Räuber“.
Richtig ins Schwärmen kommt der Schauspieler beim Bericht über die Arbeit mit dem berühmten Regisseur Ingmar Bergmann: „Er war unglaublich konzentriert, hundertprozentig fokussiert auf das Ziel und es war dennoch jede Menge Spaß dabei.“ Jede Vorstellung sei ausverkauft gewesen. „Das Publikum war begeistert, leider hat uns jedoch die Presse jedes Mal verrissen.“
Seine Frau Angelika, mit der er seit 45 Jahren verheiratet ist, ist für den spirituellen und ökologischen Ausgleich in der Partnerschaft zuständig. Nicht immer war ihr Ehemann darüber erfreut, wenn sie wieder mit etwas Neuem ankam: „Wir haben doch schon so viel gemacht, wozu denn das jetzt noch?“, beschwerte er sich. Aber Angelika konnte ihren Robert immer überzeugen. Beiden ist gesunde Ernährung sehr wichtig. Ausdrücklich unterstrichen sie, dass sie seit dem Film „Hope for all: Unsere Nahrung – Unsere Hoffnung“ von Nina Messinger, endgültig kein Fleisch mehr essen. Der Weg der Atzorns scheint nicht verkehrt zu sein, wenn man sieht, wie fit und gesund – beide immerhin schon über 70 – sie sind.
Robert Atzorn sagte abschließend über sein Buch: „Es war gut, dieses Leben noch mal vorbeilaufen zu lassen. Ich bin erstaunt, wie viele Nackenschläge ich ertragen musste.“ Dennoch geht es nicht nur um Schauspielerei. Es gehe im Wesentlichen um menschliche Entwicklung: „Wir leben nach vorn, aber wir verstehen das Leben erst rückwärts.“