Ein herausragendes musikalisches Erlebnis

von Redaktion

Musiksommer Das Azahar Ensemble präsentiert eine Mischung aus klassischen und fast experimentell anmutenden Kompositionen

Traunstein – Von der ersten bis zur letzten Minute ein herausragendes musikalisches Ereignis war das dritte Konzert beim diesjährigen 40. Traunsteiner Sommerkonzert. In der wunderschön hell restaurierten Klosterkirche mit nunmehr einwandfreier Akustik spielte das Azahar Bläserquintett aus Spanien zusammen mit dem deutsch-englischen Ausnahmepianisten Nicholas Rimmer.

Das harmonisch abgestimmte, außergewöhnliche Programm – eine Mischung zwischen traditionell klassischer und moderner, fast experimentell anmutender Komposition – war deutlich von britischen Komponisten geprägt. So machte den Anfang ein Solostück für Flöte des 1964 in Dublin geborenen Flötisten und Komponisten Ian Clarke „The great Train Race“, 1993 kompo-niert. Begeisternd spielte es der junge Flötist André Cebrían, unter anderem Erster Soloflötist beim Scottish Chambers Orchestra. Schon der erste Ton zog das Publikum in seinen Bann: inspiriert vom Singen der Vögel im Wald – ein faszinierendes Tirillieren, Zirpen, Pfeifen, Schluchzen, Gelächter und zartes Verklingen in der Dämmerung.

Mit dem Quintett für Bläser und Klavier in Es-Dur, KV 452, von Wolfgang Amadeus Mozart ging es weiter. Entstanden 1784, verbindet es die subtile klangliche Balance zwischen Klavier auf der einen und Bläserquintett auf der anderen Seite, wobei die unterschiedlichen Farben der Blasinstrumente ganz deutlich herauskommen und zu hinreißenden „Dialogen und Gesprächen“ führen. Besonders die Oboe von María Alba Tobella klang heraus im Gespräch mit der Klarinette von Miquel Ramos Salvadó, der schon in jeder seiner Bewegungen die Musik ausdrückt, die er spielt. „… ich selbst halte es für das beste, was ich noch in meinem Leben geschrieben habe.“, schrieb Wolfgang noch im April 1784 an seinen Vater.

Anspruchsvoll war das folgende Stück des englischen nahe Manchester 1934 geborenen Komponisten Harrison Birtwistle, „Five Distances for Five Instruments“. Geschrieben im Jahr 1992, in dem Corona noch nicht einmal am Horizont erschien, verlangte der Komponist wegen der inneren Distanz der verschiedenen Bläserstimmen zueinander auch örtliche Distanz der Musiker auf der Bühne – ein Stück also, wie gemacht für die jetzige Krise.

Beim Spielen entwickelte sich wie beim Theater aus den scheinbar erst mal unabhängig voneinander musizierenden Stimmen dennoch immer wieder ein beinahe harmonisches Zusammentreffen und eine Art Gemeinsamkeit. Das „letzte Wort“ erhält am Schluss die Klarinette, die als einzige langsam verklingt.

Weiterer Höhepunkt dieses ungewöhnlichen Konzerts war das Sextett für Bläser und Klavier C-Dur opus 100 des in Paris geborenen Komponisten Francis Poulenc (1899 bis 1963). Noch einmal konnten sämtliche Instrumente von hauch-zarten, engelsgleichen Tönen im Andantino bis zu kräftigen, alles überstrahlenden Klängen im Finale, Prestissimo alle Musiker sich technisch virtuos und musikalisch begeisternd ausleben. Wieder hervorragend der Hornist Antonio Lagares Abeal, ebenso das Fagott von Maria José García Zamora.

Ein reines Vergnügen zuzuhören und den vollständig in ihre Musik versunkenen Musikern zu lauschen. Als der letzte Ton verklungen war, währte die Stille nur kurz: Der Applaus dauerte lang und verebbte nur langsam.

So ließ sich das Ensemble zu einer kleinen Zugabe „überreden“, dem wogenden Wiegenlied.

Aus der Notwird eine Tugend

Wie an der Zusammensetzung der Zuhörer zu sehen war, sind zwei Termine für ein und dasselbe Konzert offensichtlich gut: Vielen Senioren, aber auch Kindern kommt ein früher Termin zugute.gi

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