Traunstein – England ist das Leitmotiv der diesjährigen Sommerkonzerte und war es auch beim Danish String Quartet. Selbst die nordische Volksmusik, die die Dänen im letzten Teil spielten, sei „almost English“, schmunzelte der Bratscher Asbørn Nørgaard. Gerade dieser letzte Programmteil, eben im Programmheft bloß als „Folk Music“ gekennzeichnet, bereitete den Zuhörern ungehemmtes Vergnügen und ließ die Füße wippen. Fiddle-Musik, Dudelsackklänge, oft raffiniert synkopierte Tanzmusik, dazwischen ein Menuett aus Dänemark aus dem 18. Jahrhundert und dann eine sehnsuchtsvolle alte Melodie – alles war von diesem Streichquartett kunstvoll arrangiert und mit großer Ernsthaftigkeit gespielt, als sei es Musik von Henry Purcell: Wenn Klassik auf Volksmusik trifft, können Funken sprühen. Die Zuhörer wurden immer vergnügter und sparten nicht mit Bravo-Rufen.
Mit Musik von Purcell hatte das Konzert begonnen, mit seiner Chacony g-Moll in einer Bearbeitung durch Benjamin Britten. Dessen Streichquartett Nr. 2 in C-Dur kam gleich darauf, ohne Pause, sodass Purcells Chacony wie der erste Satz des Britten’schen Streichquartetts wirkte – eine subtile Pointe, weil der letzte Satz auch eine Chacony, also eine Chaconne, war. Das gab diesem klassischen Teil eine starke Zwingkraft.
Schon bei Purcell konnte man den warm-satten Streicherklang genießen, der Purcells Musik zum Leuchten brachte und gleichzeitig dynamisierte bis zum am Ende verlöschenden Pianissimo. Bei Britten wurde der Ton etwas geschärfter, blieb aber noch im sorgfältig kontrollierten Schönklang, auch in den wildbewegten und stürmischen Sätzen, auch im tänzerisch aufstampfenden Vivace, das wie ein Volkstanz wilder Wikinger wirkte. Kokettieren die vier Musiker doch in ihrer Selbstdarstellung mit ihren Bärten, langen Haaren und sogar dem Zopf des Bratschisten (und auch auf ihrer Homepage) mit dem Wikinger-Mythos.
Brittens Schlusssatz, eben die Chacony, begann verhalten, steigerte sich ins Wild-Enthemmte, schwang sich später engelsgleich hinauf in selige Gefilde mit süßem Ton des Primgeigers Frederik Øland und trillernden Flügelschlägen des zweiten Geigers Rune Tonsgaard Sørensen und des Cellisten Fredrik Schøyen Sjölin (ein Norweger…), bis die Chacony mit wütenden Akkordschlägen endete wie Schwerthiebe von Wikingern – ein kraftvolles Konzert mit starker Wirkung.