Wohlklänge für die coronageschundene Seele

von Redaktion

Die Reihe „Priener Wohnzimmerkonzerte“ bringt Musikerlebnisse zum Publikum nach Hause

Prien – Schon zum dritten Mal gab es ein Priener Wohnzimmerkonzert. Statt Konzertatmosphäre in einem voll besetzten Saal zu schnuppern, zu genießen und mit einem Schlussapplaus, bedeutet das in Zeiten von Corona allein mit Computer oder Mobiltelefon auf dem Sofa oder dem Bürostuhl zu sitzen. So etwas kann man als trist bezeichnen, aber man kann sich auch auf das musikalische Abenteuer einlassen.

War es beim ersten Konzert die Weihnachtsgeschichte von Ludwig Thoma, untermalt von den Grassauer Blechbläsern, Heinrich Albert an der Ziach und Andreas Estner als Sprecher, so gab es beim zweiten Konzert ein Feuerwerk der Cello-Literatur.

Katharina Schmidt (Cello) und Ehemann Thomas Schuch (Klavier) verzauberten beim zweiten Konzertabend mit der Cellosonate op. 69 in A-Dur von Ludwig van Beethoven und mit der Cellosonate op. 58 in D-Dur von Felix Mendelssohn-Bartholdy). Das war lebendiger, romantischer, frecher, inniglicher, leidenschaftlicher, zartschmelzender, temperamentvoller Dialog. Beethovens Anlehnung an die Alt-Arie „Es ist vollbracht“ aus Bachs Johannes-Passion schimmerte bisweilen durch, pastoral, lyrisch-kantabel, dann synkopisch-keck – bei soviel technischer Brillanz und Expressivität vergaß man beinahe, dass man allein vor dem heimischen Computer saß. Überschäumend, dann wieder mit zauberhaftem Anschlag verwoben sich die Klänge des Flügels mit denen des Cellos, das mal stürmisch, mal melancholisch, mal feierlich, dann wieder im verwegenen pizzicato die Klavier-Klänge erwiderte. Ein Zwiegesang, der in einem fulminanten-furiosen Finale endete.

Beim jüngsten Konzert nahm die Munich Brass Connection – Konrad Müller und Hannes Oblasser (Trompete), Matthias Körn (Horn), Andreas Oblasser (Posaune) und Fabian Heichele (Tuba) – mit ihrem Programm „No limits – grenzenlos verspielt“ den Zuhörer daheim mit auf einen Spaziergang durch die musikalischen Epochen. Das reichte von einem Concerto Grosso von Antonio Vivaldi über Leonard Bernsteins „Westside Story“ und einem Medley aus verjazztem Walzer, Marsch und Oper-Klängen – dargeboten von tiefem Blech für Posaune, Horn und Tuba – bis hin zu Pop und Chiemgauer Volksmusik von Hans Kröll. Von Barock zum Pop, vom alpenländischem zum Jazzigen – dynamisch reflektiert, lustvoll-spielfreudig, unkompliziert im Auftreten – was für eine gelungene Mischung! Die Zugabe „A Groovy kind of love“ war eine Liebeserklärung an die Musik, aber auch ein Appell an ein Wiedereröffnen der Spielstätten.

Fortsetzungam 26. März

Auf Initiative der Priener Marketing (PriMa) treten jeden letzten Freitag im Monat virtuell regionale und international renommierte Künstler auf der Bühne im Priener Chiemseesaal auf. Am Freitag, 26. März, wird die digitale Veranstaltungsreihe mit dem Chiemgauer Saitenensemble fortgesetzt. Die Konzerte sind unter www.tourismus.prien.de oder über Youtube kostenlos abrufbar, Spenden sind aber willkommen.

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