Angst, Liebe und Kunstfreiheit treffen auf Techno

von Redaktion

DJ Hell experimentiert auf neuem Album mit Künstler Jonathan Meese und dessen Mutter

DJ Hell alias Helmut Josef Geier, aufgewachsen in Altenmarkt an der Alz, ist einer der erfolgreichsten Sound-Zauberer weltweit. Seine Wurzeln liegen im Club Libella und in der Münchner Clubszene, doch längst ist der Musiker weltweit als Produzent tätig, arbeitete mit Bryan Ferry, Sven Väth und Klaus Nomi.

Für ein neues Projekt hat sich DJ Hell mit einem bekannten bildenden Künstler zusammengetan, nämlich mit Jonathan Meese – und dessen 91-jähriger Mutter und Managerin Brigitte Meese.

Meese ist kein Unbekannter in Rosenheim, unter dem Motto „Peitsche der Erinnerung“ stellte er 2007 beim Kunstverein aus, gemeinsam mit Daniel Richter, der die Gestaltung von Cover und Foto-Booklet der CD übernommen hat. Sohn und Mutter Meese stellen eingesprochene Textpassagen für die Produktion zur Verfügung, der Technosound kommt von DJ Hell.

Dabei erlauben sich die Künstler ein raffiniertes Wechselspiel zwischen „teuflischen“ Passagen und der Thematisierung von „Angst“ mit dem Gegenpol der „Liebe“ – diese Textzeilen werden von Brigitte Meese eingesprochen, wie im Titel „Power of Love“. Das Gesamtkunstwerk mit Anspielungen an die Kultband „DAF“ kann man auch als Hommage an die Kunstfreiheit verstehen, das zweite Stück beschwört die Aussage „Kunst ist notwendig“.

Musikalisch prägt der Technosound von DJ Hell die Stücke. Den Auftakt macht eine Hommage an den James-Bond-Bösewicht „Dr. No“. Oft düster, industriell und dystopisch, doch punktuell durchaus melodisch wie in „Erzliebe“ oder durchdringend rhythmisch und sogar mit Hintergrund-Chor in „Trommeln“ – DJ Hell bietet allerlei Klangrepertoire auf und zeigt, dass Techno durchaus variabel und klanglich anspruchsvoll sein kann. Das ist bei konzentriertem Hören manchmal befremdlich, dann wieder mitreißend bis hin zu eingängigen tanzbaren Dancefloor-Klängen.

Kein einfaches Album zum Nebenbei-Konsumieren, aber mit einigen reizvollen klanglichen Besonderheiten. Angst, Liebe, Kunstfreiheit – diese Themen ziehen sich auch durch die gesellschaftlichen Debatten in der Corona-Krise. Auch wenn das Album bereits vor Corona geplant und konzipiert war, passt der Tonträger in die aktuelle Situation.

Artikel 9 von 9