Meisterkonzert mit pfingstlichem Motto

von Redaktion

Passauer Domorganist Ludwig Ruckdeschel bestreitet ersten Kolbermoorer Orgelmittwoch nach dem Lockdown

Kolbermoor – Mittags saß er noch an der größten Kirchenorgel der Welt im Passauer Dom, abends an der Orgel der Kirche Wiederkunft Christi in Kolbermoor und spielte beim ersten Orgelmittwochkonzert nach langer Pause: der Passauer Domorganist Ludwig Ruckdeschel. Dieser sich seiner Spieltechnik bewusste und deshalb souverän-gelassene Organist hatte das Programm seines Meisterkonzertes unter das Pfingstmotto „Komm, heiliger Geist“ gestellt. So hatten beinahe alle gespielten Werke dieses Motto, deutsch oder lateinisch, im Titel.

Mit Bach begann’s, mit Ruckdeschel endete es. Der Geist weht, wie er will, der Heilige Geist erst recht: böig-kräftig in Bachs Fantasia BWV 651, die Ruckdeschel eilig-entschlossen darbot, die Choralmelodie im Pedal deutlich hervortreten lassend. Frisch und klar im Choralvorspiel von Dietrich Buxtehude (Bux WV 199): Die leicht verzierte Choralmelodie erklang singend im Diskant, begleitet von sacht-weichen Achteln, alles in etwas kleinerer Dimension als bei Bach. Das einzige Nicht-Pfingst-Stück war das Magnificat primi toni, ebenfalls von Buxtehude, das die einzelnen Teile des Magnificats in wechselndem Charakter und wechselnder Registrierung „beschreibt“, von Ruckdeschel klar und gut strukturiert gespielt vom aufrauschenden Beginn bis hin zur tänzerischen Fuge und zum volltönenden Schluss.

Bei „Pfingsten“ von Max Reger weht der Geist mild meist im Piano: „Und in dem Säuseln nahte sich der Herr“, heißt es in Mendelssohn-Bartholdys Oratorium „Elias“. Ruckdeschel zerdehnte das Stück nicht, sondern hielt ein recht flüssiges Tempo und zog tiefdunkle Register, aus deren Urklang sich am Schluss der Heilige Geist vollbrausend erhob.

Dass Cesar Bresgen (1913 bis 1988) auch Orgelmusik schrieb, ist wenig bekannt. Aber er war von 1931 bis 1935 Organist in St. Rupert in München. Sein Pfingstpräludium ruft den Heiligen Geist mit fanfarenartigen Klängen an, „Christ the Lord is risen“ von John Bertalot (geboren 1931 in England) badet sich in spätromantischen Klängen.

Ludwig Ruckdeschel ist für seine Improvisationen berühmt, von denen er zwei bot. Die „Partita im barocken Spiel“ kommt ganz altmeisterlich daher mit einem schwungvollen und freudeglitzernden und vielfältig modulierenden Präludium, zwei Choralbearbeitungen, die die Melodie von „Komm, Schöpfer Geist“ einmal reich umspielen und einmal mit einem kurzen aufsteigenden Achtelmotiv umformen, und einer triumphalen Fuge.

Großartiger präsentieren sich Ruckdeschels „Symphonische Skizzen zu ‚Veni creator spiritus‘“: Der Organist hatte nur den Hymnus-Text vor sich und durchlebt daran musikalisch die ganze Schöpfung vom lastenden Erwartungsbeginn über einen wilden Klangsturm bis hin zum funkelnden Feuer der Flammenspitzen, die auf die Häupter der Apostel niedersinken. Die Hymnus-Melodie blitzt dazwischen immer wieder strukturierend auf. Diese Pfingstfreude mischte sich bei den Zuhörern in coronagerechter Anzahl mit der Freude, endlich wieder einen Orgelmittwoch in Kolbermoor zu hören, und so applaudierten sie lange und herzlich. Rainer W. Janka

Artikel 8 von 9