Aschau – Der Verein „Kunst und Kultur zu Hohenaschau“ begeht in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Seit drei Jahrzehnten präsentiert der Verein in Hohenaschau Kunst, die man sonst nur in den großen Metropolen zu sehen bekommt. Der in Aschau lebende Künstler Rudolph Distler ist Vorsitzender, Kurator und Mitbegründer des Vereins. Im Interview erzählt er, welche Kriterien er bei der Auswahl der Ausstellungen anlegt und wie es gelingt, hochkarätige Künstler an den Fuß der Kampenwand zu locken.
Nach zwei Jahren Zwangspause wird jetzt endlich wieder eine neue Ausstellung eröffnet. Was ist das für ein Gefühl?
Ein wunderbares, gleichzeitig aber auch ambivalentes Gefühl. Einerseits wird das Kunstbedürfnis nach der entbehrungsreichen Zeit groß sein, andererseits stellen wir uns natürlich auch die Frage: Sind unsere Besucher bereits mutig genug, sich einer solchen Veranstaltung zu stellen? Trotz Maske und 3G-Regel.
Der Verein „Kunst und Kultur zu Hohenaschau“ feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Wie kam es damals zur Gründung?
Ich wurde als Künstler immer wieder gefragt, welche Maler, welche Kunstrichtungen für mich wichtig sind. Darüber zu reden ist komplizierter, als es zu zeigen. Deswegen hatte ich sofort „Ja“ gesagt, als die Gründungsväter Rasso Freiherr von Cramer-Klett und Adalbert Eger mich baten, die künstlerische Leitung zu übernehmen. Und das hat sich als richtig erwiesen, denn von der ersten Ausstellung an war der Verein ein Erfolg.
Der Verein setzt klar den Schwerpunkt auf zeitgenössische Kunst. Wie würde Sie Ihre Philosophie beschreiben?
Meine eigenen Erfahrungen haben mir gezeigt, dass es wichtig ist, den Kunstmarkt zu demokratisieren, denn vor 30 Jahren wurde die gegenständliche Kunst eher belächelt, was sich heutzutage natürlich völlig gedreht hat. Nicht zuletzt auch durch unsere Beharrlichkeit. Und: Von Anfang an war es mein Anliegen, Kunst nach Hohenaschau zu holen, die man sonst nur in den Metropolen zu sehen bekommt.
Neben den Arbeiten bekannter Künstlerpersönlichkeiten werden immer wieder noch unbekannte Künstler präsentiert. Ist es ein Wagnis, auf zugkräftige Namen zu verzichten?
Das ist ein Wechselspiel. Die bekannten Namen geben die Grundlage für die jungen, unbekannten Künstler, unter denen es große Begabungen und oftmals überraschende Entdeckungen gibt. Mit großem Vertrauen haben uns unsere Mitglieder und Besucher dabei von Anfang an unterstützt. Und: Ob bekannt oder unbekannt – jeder Künstler wird bei uns mit der gleichen Wertschätzung präsentiert und aufgenommen.
Wie stoßen Sie auf die Künstler?
Anfangs waren das vor allem persönliche Beziehungen zu den Kollegen, doch der Kreis wurde immer größer, je bekannter wir als Verein wurden. Dadurch erweiterte sich auch mein Horizont – ich kann kaum noch zählen, wie viele Ateliers ich im ganzen Land besucht habe. Gleichzeitig wuchs das Interesse an unserer Institution über unsere Landesgrenzen hinaus. Für etliche Künstler wurden wir zum Sprungbrett für ihre weitere Karriere.
Wie überredet man international bekannte Künstler wie Arno Rink, in ein kleines Tal am Rande des Chiemgaus zu kommen?
Ich hatte mit ihm, dem Vater der „Neuen Leipziger Schule“, 2007 Kontakt aufgenommen, um zu erfahren, wie junge, unbekannte Künstler in Leipzig damit umgehen, dass sie sich plötzlich im Zentrum der Gegenwartskunst befinden. Daraus wurde das Jahr 2008, in dem wir ihnen fünf Ausstellungen widmeten. Der krönende Abschluss des Leipzig-Jahres war dann eine Präsentation der Werke ihres Lehrers, des 2017 leider verstorbenen Arno Rink. Die enge Freundschaft, die sich zwischen uns entwickelt hatte, fand 2016 ihren Ausdruck in einer gemeinsamen Ausstellung unserer beider Arbeiten.
Der Verein besteht jetzt seit 30 Jahren. Wird das in irgendeiner Form gefeiert?
Als Kunstverein feiern wir unser Jubiläum in Form von Doppelausstellungen, in denen wir uns auf Künstler beziehen, die unserem Verein zu einem klangvollen Namen verholfen haben, und denen auch wir wichtige künstlerische Wegbegleiter waren. Diese Reihe beginnen wir mit Arbeiten von Klaus Fußmann und seinem ehemaligen Schüler Philipp Mager am morgigen Freitag. Die Eröffnung beginnt um 19.30 Uhr in unseren Räumen „An der Festhalle 4“ in Hohenaschau.
Interview: Klaus Kuhn