Grassau – Nichts für Musikpuristen, aber ein großes musikalisches und unterhaltsames Erlebnis war das Konzert der Cellisten der Bayerischen Staatsoper im Heftersaal, organisiert von der Sawallisch-Stiftung. Ungewöhnlich kombiniert die Cellisten mit Christoph Well, bekannt als Stofferl Well, einem begnadeten Bläser und Kabarettisten, der nicht nur ein Virtuose auf Trompete, Ziach, Dudelsack und sogar Alphorn ist, sondern das Publikum mehrmals zu Lachsalven hinriss.
Eine Cellistin und sieben Cellisten der Staatsoper in München hätten es auch ohne den renommierten Solisten geschafft, eine abwechslungsreiche, musikalisch wunderbare Matinee im Heftersaal zu gestalten, so unglaublich vielseitig kann das Violoncello sein – wie ein komplettes Orchester.
Das bunte Programm begann mit der Ouvertüre zu Gioachino Rossinis letzter großer Oper „Guillaume Tell“ (Wilhelm Tell). Danach stellte Christoph Well in gereimten bairischen Gstanzln das weitere Programm und die höchst renommierten Interpreten aus ganz Deutschland bis nach Basel vor.
Nach Rossinis Ouvertüre folgten zwei Sätze der Holberg-Suite von Edvard Grieg, die langsam getragene Sarabande und die schnelle, furios gespielte Gavotte. Dann – wieder etwas zum Lachen: die von Christoph Well selbst komponierte „Feuerwehrmusik“, angelehnt an Händels berühmte „Feuerwerksmusik“, mit Well perfekt auf der Piccolo-Trompete gespielt und einer bairisch gereimten Persiflage auf die in Bayern beliebten, pompösen Festakte, hier der Einweihung eines neuen Feuerwehrhauses mit sämtlichen „prominenten Größen“ von Kommandant über Pfarrer bis Bürgermeister und Landrat, ein wahrlich opulentes Ritual.
Danach wieder ernst und musikalisch, die wunderschön ruhige Elegie der Cellisten von Franz Lachner und anschließend Georges Bizets Carmen Suite mit den bekanntesten Melodien aus seiner Oper „Carmen“ – man kann sich den Jubel im Saal nach der virtuosen Darbietung aller Interpreten gut vorstellen.
Nach Jules Massenets „Meditation in Thais“ folgte das „Gstanzl-Quintett“ von Stofferl Well, bei dem er höchst aktuell die derzeitige politische Lage in Deutschland nach der Wahl aufs Korn nahm und der „bis heute nicht geklärten Frage“ nach ging, ob Rottau zu Aschau oder Aschau zu Rottau gehört. Abschluss des offiziellen Programms war die furiose „Fuga y misterio“ (Fuge und Geheimnis) von Astor Piazzolla. Dem nicht enden wollenden Applaus folgten zwei gut geprobte Zugaben, bei denen Christoph Well als Alphornbläser auftrat. Allerdings war die Bühne zu kurz, sodass Paul Bischof, Vorstand der Sawallisch Stiftung, als Träger des Alphorns mithelfen musste. „Mein Super-Spreader“, meinte Well, der aber sogleich beruhigte, er sei mindestens schon dreimal geimpft. Auch beim Einlass war die 3G-Regel akribisch von allen Zuschauern überprüft worden.
Fazit: Ein höchst erfreulicher musikalischer Sonntagvormittag, der bei den Konzerten der Sawallisch-Stiftung hoffentlich nicht der letzte war.Christiane Giesen