Zeuge von Angriff, Tod und Vernichtung

von Redaktion

Rosenheimer Verleger Klaus G. Förg befasst sich in seinem neuem Buch mit dem Schicksal eines deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg

Rosenheim – Man könnte annehmen, dass ein hochrangiger Offizier der Wehrmacht in seiner Autobiografie Kriegshandlungen der Deutschen wohlwollend oder verharmlosend darstellt und versucht, Kriegsverbrechen zu relativieren.

Nicht so der 1917 in Aschaffenburg geborene Eberhard Dennerlein, der es bis zum Major gebracht hatte und im Dezember 1949 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurde. Der Rosenheimer Verleger und Autor Klaus G. Förg hat die autobiografischen Aufzeichnungen Dennerleins, die auf der Basis von Tagebucheintragungen und späteren Notizen entstanden sind, zu einer spannenden Lebensgeschichte verwoben und damit seiner Zeitzeugenreihe einen weiteren Baustein hinzugefügt. In Förgs Bandreihe sind bereits bereits Darstellungen aus der Sicht einfacher Soldaten, eines Jagdfliegers, amerikanischer Besatzer und eines geflohenen KZ-Häftlings erschienen.

Jetzt geht es in um einen Pionieroffizier, dessen Vater bereits im Ersten Weltkrieg Karriere im Militär gemacht und es im Zweiten Weltkrieg bis zum General gebracht hatte, sodass der Sohn schon als Gymnasiast automatisch „in das Dritte Reich und den Nationalsozialismus als Weltanschauung hineingeraten“ ist und danach die Offizierslaufbahn eingeschlagen hat.

Die häufigen Versetzungen des Vaters und die eigene Ausbildung lassen den jungen Dennerlein weit herumkommen: Ingolstadt, Ohrdruf, Dresden, Ulm, München und Kassel gehören zu den frühen Wohnorten. Dennerlein ist von Anfang am Kriegsgeschehen beteiligt und beschreibt die einzelnen Stationen des Krieges.

Wachsende Skepsis
macht sich breit

Dabei wird deutlich, wie seine anfängliche Begeisterung im Laufe der Zeit immer mehr einer wachsenden Skepsis Platz macht und schließlich in eine Ablehnung von Krieg und Nationalsozialismus mündet. So bezeichnet er die Besetzung von Böhmen und Mähren als „eklatante Völkerrechtsverletzung“ oder schildert genau die Inszenierung eines angeblichen Anschlags auf den Sender Gleiwitz als Vorwand für den Überfall auf Polen.

Bei seinen topografisch genau nachvollziehbaren Schilderungen des raschen Vormarsches erweist sich Dennerlein immer wieder als Zeuge von Angriff, Tod und Vernichtung: „Frauen, Kinder oder Alte wurden vertrieben, Männer einfach erschossen und liegen gelassen. Eine fanatisierende Propaganda und verbrecherische Befehle haben uns zu Mördern werden lassen.“

Nach dem Feldzug in Polen ist Dennerlein 1940 beim Angriff auf Frankreich dabei, erlebt auch hier das Grauen und erhebt „Anklage gegen die Brandstifter des Krieges in Frankreich“. Während die Niederlage bei Stalingrad die Wende des Zweiten Weltkriegs einleitet, wird Dennerlein 1943 nach Russland und in die Ukraine geschickt. Er wird verwundet, erlebt die Kämpfe in den russischen Pripjetsümpfen. 1945 wird er Zeuge des Luftangriffs auf Dresden und gerät nach einer abenteuerlichen Flucht Richtung Bayern in sowjetische Kriegsgefangenschaft.

So schildert der letzte Teil des Buches fünf Jahre Gefangenschaft in verschiedenen Orten, wobei Dennerlein die meiste Zeit in dem Lager Rustawi bei Tiflis im Kaukasus verbringt.

Klaus G. Förg ist ein lehrreiches und fesselndes Buch gelungen, das gerade auch jungen Leuten Einblicke in eine für sie ferne und grausame Zeit gewährt.Richard Prechtl

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