Die Geschichte einer Auferstehung

von Redaktion

Lea Singer bei der Goethe-Gesellschaft

Rosenheim – Das Schicksal einer jungen Frau im Venedig der Renaissance beleuchtet die Münchner Autorin Lea Singer in ihrem neuesten Roman „La Fenice“. Erzählt werden darin historisch belegte Erlebnisse der Kurtisane „La Zaffetta“, die einen Skandal auslöste, weil sie sich das Recht nahm, ihre Wünsche zu leben. Zum Kult wurde sie als Tizians „Venus von Urbino“, einem der berühmtesten Bilder der Welt. Auf Einladung der Goethe-Gesellschaft Rosenheim las Lea Singer im Künstlerhof am Ludwigsplatz aus ihrem Roman einzelne Passagen und gab Erläuterungen zu seiner Entstehungsgeschichte.

„Venedig und seine Geschichte haben sehr viel mit der Gegenwart zu tun“, so Singer. Unser Venedigbild sei rundum schön, nichts Kriminelles und Gewaltsames sei darin. Für die Kurtisane „La Zaffetta“ ist die Lagunenstadt jedoch kein romantischer Sehnsuchtsort, sondern eine „Station zum Ausnüchtern“.

Die 16-Jährige hat ihren Beruf bewusst gewählt. Ratschläge holt sie sich bei der alten Fedele, der hoch gebildete und sozial engagierte Charismatiker Aretino wird ihr Mentor. Als sich „La Fenice“ aber einem einflussreichen Freier verweigert, wird sie von ihm gedemütigt, laut Singer ein zentrales Thema des Buches. Doch die junge Frau steigt aus der Asche wieder auf wie ein Phönix – bis sie Modell steht für den berühmten Maler Tizian.

Venedig, schon in der Renaissance ein wichtiges Ziel für Touristen, sei von Banken und Prostitution geprägt. „In Venedig wurde schon immer gerechnet und spekuliert, nicht geträumt“, erklärte Singer. Die junge Kurtisane La Fenice will sich trotz ihrer Demütigung nicht die Würde nehmen lassen, vielmehr möchte sie selbst eigenes Geld verdienen und sich die Haare blond färben lassen. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Prostituierten waren Kurtisanen gebildet, hatten feste Liebhaber, spielten Musikinstrumente und besaßen gute Umgangsformen. „Eine Kurtisane“, so Singer, „brauchte Geduld und Beziehungen.“

Bewusst habe die Autorin ihren Roman in der Ich-Form geschrieben. „La Fenice“ habe sich nicht nur zu sich selbst bekannt, sondern auch Schlimmes durchlitten, dem sich die Autorin selbst aussetzen wollte. Das Buch, so Singer, sei kein Sachbuch. Entstanden sei vielmehr die Geschichte einer Depression, aber auch einer Resilienz und einer Auferstehung.Georg Füchtner

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