Chiemgauer Porträts und Landschaften

von Redaktion

Ausstellung zum 70. Todestag des Malers Paul Roloff im Heimatmuseum Prien

Prien – Er gehört zu den Großen der Chiemgauer Künstlerschaft, der Porträtist und Landschaftsmaler Paul Roloff, geboren 1877 in Gut Jerchel im heutigen Sachsen-Anhalt. Verstorben 1951 in Prien widmet ihm das Heimatmuseum nun neben der Retrospektive zu der von ihm mitbegründeten Chiemgauer Künstlergruppe der „Welle“ eine Gedächtnisausstellung mit 20 seiner schönsten heimischen Landschaften und Porträts.

Studium an der
Akademie in München

Zunächst von seinem Vater zum Studium als Architekt vorgesehen, konnte er sich 1898 an der Akademie der Bildenden Künste in München einschreiben. Erste Zeichnungen für satirische Blätter wie den „Simplicissimus“ entstanden ab 1900. Die folgenden Jahre waren geprägt von seiner Ehe mit der Norwegerin Aagot Lindemann, der Geburt der drei Töchter, zahlreichen Studienreisen, aber auch vom Ersten Weltkrieg, als er an die Westfront eingezogen wurde.

Schon früh zog es ihn und seine Familie in das südliche Bayern, auf den Samerberg, an den Chiemsee und nach Prutting. Bereits 1914 besuchte er den Chiemsee, ab 1921 machte er Prien zu seinem Hauptwohnsitz.

In wirtschaftlich schwerer Zeit entstand hier der Gedanke die „Freie Vereinigung Chiemgauer Künstler – Die Welle“ zu gründen, die von 1922 bis 1933 in selbst finanzierten Ausstellungsgebäude in Prien-Stock Verkaufsausstellungen organisierte. Eine letzte Ausstellung dieser Gruppe, die völlig innovativ den Verkauf ihrer Arbeiten selbst in die Hand nahm, fand 1934 in Rosenheim statt. Die Hauptvertreter dieser Gruppe waren: Bernhard Klinkerfuß, Karl-Hermann Müller-Samerberg, Emil Thoma, Paula von Goeschen-Roesler und Friedrich Lommel.

Wirtschaftlich gesehen war diese private Initiative jedoch ein Misserfolg, wobei Roloff selbst zunächst seine persönliche Anerkennung in zahlreichen Aufträgen aus dem norddeutschen Raum erfuhr.

Es ist kein Wunder, dass vor allem die katastrophale wirtschaftliche Lage die Künstlerschaft in der diffusen Kunstpolitik der Nationalsozialisten Hoffnung schöpfen ließ. Allen voran die Gruppe der „Frauenwörther“, mit Hiasl Maier-Erding, Thomas Baumgartner und Constantin Gerhardinger und insbesondere Hermann Groeber, die 1921 auf der Fraueninsel ihre erste Ausstellung durchgeführt hatten, neigten den neuen Machthabern zu. Aber auch Paul Roloff und Emil Thoma arrangierten sich mit dem System. Obwohl Roloff nicht Mitglied der NSDAP war, wurde er 1939 Titularprofessor und stellte auch regelmäßig bei den Großen Deutschen Kunstausstellungen im Haus der Kunst in München aus.

Eine Form des
Nachimpressionismus

An die 200 Porträts und zahlreiche Landschaften, religiöse Bilder, so der Altar in der Evangelischen Kirche in Prien, Akte und Raumgestaltungen finden sich im Werk des vielseitigen Künstlers. In einer Form des „Nachimpressionismus“ nimmt Roloff häufig das Farbspiel und den Detailreichtum des Impressionismus auf, gibt aber dem Ganzen eine grafische Note.

Bis 31. Oktober

Die Ausstellung, zu der auch ein Katalog erschienen ist, wurde bis einschließlich Sonntag, 31. Oktober, verlängert. Sie ist täglich von 13 bis 17 Uhr zu sehen.

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