Rosenheim – Heuer wurden die „Rosenheimer Kleinkunsttage“ erneut abgesagt. Sepp Hirle, Organisator der beliebten Veranstaltungsreihe, blickt auf die vergangenen drei Jahrzehnte zurück und verrät, auf was sich die Besucher 2022 freuen können.
Hätten die Rosenheimer Kleinkunsttage nicht doch stattfinden können?
Die Planungen für eine derartige Veranstaltung laufen schon früh an. Die Entwicklung war da nicht absehbar. Die relativ kleine „Bühne im Lokschuppen“ des Stadt Jugendrings, in der die Kleinkunsttage meistens stattfinden, lassen bei den vorgeschriebenen Abstandsregeln nur etwa 45 Besucher zu. Das Catering und die damit erforderlichen Hygieneschutzmaßnahmen würden eine enorme finanzielle Mehrbelastung darstellen. Dann steht aber immer noch die weitere Entwicklung der Pandemie mit einem großen Fragezeichen im Raum. Kurzum stehen geringen Einnahmen höhere Ausgaben gegenüber, verbunden mit einem unbekannten Risiko. Das ist für unser Ehrenamt leider nicht zu stemmen.
Seit wann gibt es die Kleinkunsttagen?
Die Kleinkunsttage wurden vor 37 Jahren ins Leben gerufen. Für die Jugend war damals in unserer Stadt kulturell noch viel zu wenig los. Der Stadtjugendring wollte das ändern und rief die „Rosenheimer Kleinkunsttage“ ins Leben. 1995 habe dann ich als Vorstandsmitglied in der SJR-Jugendkultur die Organisation übernommen. Veranstalter ist mittlerweile der Förderverein Jugendarbeit Rosenheim.
Hat sich das Programm mit den Jahren verändert?
In den Anfangsjahren gab es Kabarett, Musik, Theater und Literatur. Die Literatur ist mittlerweile nicht mehr dabei, weil unsere Stadtbibliothek da sehr gute Arbeit leistet und viele Lesungen anbietet. Dafür kam bei uns die Comedy dazu. Mittlerweile kommt auch immer stärker das Genre „Poetry Slam“ ins Gespräch.
Was kommt bei den Besuchern besonders gut an?
Nach wie vor anspruchsvolles Kabarett. Aber damit können wir nicht alle 14 Tage füllen. Es scheitert dabei nicht an den Kabarettisten, sondern viel mehr am Publikum. Denn wer kann und will schon 14 Tage hintereinander Kabarett anschauen? Es ist daher wichtig, eine große kulturelle Bandbreite zu bieten, um möglichst viele Besucher anzusprechen.
Was ist das Besondere an der Kleinkunst?
Kleinkunst bietet große Kunst im kleinen Rahmen. Zu uns kamen schon viele Künstler, die spielend große Hallen füllen. Doch eine große Halle bringt auch immer eine große Distanz zwischen Künstler und Publikum. Bei der Kleinkunst kommt man sich nahe. Das sorgt für eine besondere Atmosphäre auf beiden Seiten.
Wenn man den Künstlern so nah kommt, erlebt man sicher einiges.
Ja. Der Kabarettist Werner Schneider hatte beispielsweise nach seinem Programm in unserem Festival-Café noch so viel Spaß, dass er am Schluss Probleme hatte, überhaupt noch ins richtige Hotel zu finden. Die österreichische Tour der „Langen Nacht des Kabaretts“ versprach für seinen Auftritt bei uns, so lange zu spielen, wie das Publikum es wünscht. Für den harten Kern wurde es vier Uhr morgens.
Gespielt wurde am Schluss sogar noch beim Jugendfreizeitgelände am Happingerausee, weil die Mitglieder des Ensembles die Romantik am Wasser mit aufsteigendem Nebel so schön fanden, dass sie auf dem Steg noch einige Sketche zum Besten gaben. Mit dabei war auch Lisa Eckart, die mittlerweile Stammgast in der ARD bei Dieter Nuhr ist.
Die Rosenheimer Kleinkunsttage haben sich schon des Öfteren durch ein gutes Gespür für Talente ausgezeichnet. Wie funktioniert die Suche nach geeigneten Künstlern?
Normalerweise bin ich das Jahr über unterwegs und schaue mir die Künstler und deren Programme an. Wenn mir das Angebot zusagt, wird verhandelt, bis die Terminierung und natürlich auch der finanzielle Rahmen stimmen. Unser Vorteil ist, dass die Rosenheimer Kleinkunsttage mittlerweile schon einen so guten Ruf haben, dass viele Künstler sehr gerne zu uns kommen, auch mehrmals.
Wer wird denn 2022 kommen, wenn dann die Rosenheimer Kleinkunsttage hoffentlich wieder stattfinden können?
Zugesagt hat Lucy van Kuhl. Die Musikkabarettistin hat 2019 das „Passauer Scharfrichterbeil“ und 2021 den „Stuttgarter Besen“ erhalten. Zwei hohe Auszeichnungen in der deutschen Kulturszene.
Verraten Sie uns noch einen weiteren Namen.
Kabarettist Holger Paetz, ehemaliges Mitglied der Lach- und Schießgesellschaft und Gewinner des renommierten Kabarettpreises „Salzburger Stier“.
Interview: Karin Wunsam