Projektionsfläche des Lebens

von Redaktion

Ransome Stanley und Thomas Kleemann zeigen neue Werke in Hohenaschau

Aschau – Mehrmals haben die zwei altbekannten Künstler Ransome Stanley und Thomas Kleemann in Hohenaschau ihre Arbeiten präsentiert. Jetzt zeigen sie ihre neuesten Werke. Die Stammbesucher der Galerie des Kunst- und Kulturvereins zu Hohenaschau waren sich bei der Eröffnung einig: Das sei die interessanteste Bilderschau seit Langem.

Die Arbeiten beider Künstler sind keineswegs leichter zu „lesen“ als bei vorherigen Ausstellungen. Ganz im Gegenteil. Genaues Hinschauen ist ganz besonders gefragt. Ransome Stanley zeigt Bilder mit ausladenden Blumenarrangements, bestehend aus üppigen Blüten und Kelchen. Ein junger Mann im historischen Gewand hat ein Einschussloch im Rücken.

Eigene Identität
reflektieren

Die Personen in Ransome Stanleys Bildern sind zumeist junge Afrikaner. Stanley, selbst Sohn einer Deutschen und eines Nigerianers, reflektiert in seinen Bildern seine eigene Identität. Zwar sind die Personen nach wie vor in den Farben Schwarz und Weiß gemalt, doch im Gegensatz zu seinen früheren Bildern weisen sie neben der Blütenpracht sogar eine gewisse Poesie auf. Der Hell-Dunkel-Kontrast sowie die Konturierung der Köpfe sind trotz aller Präzision in Poesie übergegangen. So steht im Flur des ersten Stockwerks ein junger Mann vor einer Wand aus Delfter Kacheln.

Neben seiner oft überdimensionalen Ölgemälde sind in Raum vier der Galerie Papierarbeiten zu sehen, deren Motive vom Minotaurus bis zur Blume Strelitius reichen. Stanley ist nicht nur ein großartiger Maler, sondern auch ein hervorragender Zeichner.

Für Zeichnung und Malerei gilt: Sie sind Projektionsfläche für persönliche Erfahrungen und Erlebnisse. Sie lösen Erinnerungen aus und berühren eigene Gefühle. Da gibt es Konsumgüter als Bildelemente sowie Menschendarstellungen oder anatomische Zeichnungen, Bilder von Gegenständen, Politisches oder Sozialkritisches. Häufig greift der Künstler auf historisches Bildmaterial zurück und macht dieses zum Stillleben.

Das Erste, was bei den Mischtechniken von Thomas Kleemann ins Auge fällt, ist ein breiter, schraffurartiger Pinselstrich. Diese zähflüssige Materialstruktur findet man vor allem bei den Büchern, Atlanten oder Papierrollen wie im Bild Nummer 13 „Last und Stütze“. Die Bücher samt ihrer Stütze wirken wie Landschaften. Die Bilder sind weder gegenständlich noch abstrakt, sondern vielmehr reine Produkte des kompositionellen Wollens und Könnens des Künstlers Kleemann.

„Sechs Richtige“ heißt ein Bild im Erdgeschoss. Die Brauntöne sind auf den ersten Blick abstrakt angeordnet, doch bei genauerem Hinsehen erkennt man auch hier feine Schraffierungen. Trotz der Plastizität des Farbauftrags bleiben die Bilder durchsichtig.

Aus der
Intuition heraus

Sie sind vielschichtig und erscheinen dennoch spielerisch. Ob ein strahlendes Kobaltblau oder ein irdener Braunton – der scheinbar spontane Malakt entsteht letztlich aus der Intuition des Künstlers.

Ob Ransome Stanley oder Thomas Kleemann – bei beiden gibt es viel zu entdecken.

Noch bis zum 12. Dezember

Zu sehen ist die Ausstellung in der Galerie des Kunst- und Kulturvereins zu Hohenaschau bis 12. Dezember. Sie ist mittwochs von 15 bis 17 Uhr, freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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