Ein ungeliebter Rückkehrer

von Redaktion

Wolf Tote Schafe im Chiemgau, gerissene Rehe und nächtliche Bilder einer Überwachungskamera

Siegdorf/Bergen/Brannenburg – Im Februar reißt ein Wolf im Siegsdorfer Ortsteil Scharam zwei Kamerunschafe. Ende Oktober fallen mindestens fünf Schafe nur eine Ortschaft weiter in Bergen einem Wolf zum Opfer, darunter auch ein trächtiges Tier. Aus Protest bahrt der Bergener Landwirt die toten Schafe vor seinem Hof in Plastiktüten auf. Er will darauf aufmerksam machen, dass der Wolf seiner Meinung nach nicht in den Chiemgau gehört.

In beiden Fällen bestätigt die DNA-Analyse des Landesamtes für Umwelt, dass es sich um Wolfsrisse handelt. Nicht bestätigt hat sich der Verdacht in Schleching – dort soll ein Hund, aber kein Wolf, Tiere getötet haben.

Nicht nur im Landkreis Traunstein, auch im Landkreis Rosenheim taucht er auf: Im November entdeckt ein Brannenburger Bauer auf einem Überwachungsvideo einen Wolf, der nachts über sein Anwesen streift. Mitte Dezember findet ein Jäger in Erl ein gerissenes Reh. Anhand der Spuren im Schnee ist der Jäger überzeugt, dass ein Wolf das Tier getötet hat. Auch in Aschau wird ein gerissenes Reh gefunden. In beiden Fällen wird noch auf die Ergebnisse einer DNA-Analyse gewartet, um letztendlich zu klären, ob es sich tatsächlich um Wolfsrisse handelt.

Im Dezember überschlagen sich die Ereignisse. In Bergen überrascht ein Landwirt einen Wolf, der in einem offenen Stall eine Ziege attackiert. Eine Videokamera hat festgehalten, wie das Tier kurz zuvor durch die Bahnhofstraße von Bergen spaziert ist. In Unterwössen werden zwei gerissene Ziegen entdeckt. Der Begriff des „Problemwolfs“ macht bereits die Runde.

Die erneuten Vorfälle rufen die große Politik auf den Plan. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) kommt zu einem Krisentreffen nach Bergen, wo sie hinter verschlossenen Türen mit Vertretern der Gemeinden und mit Landwirten spricht.

Die Landwirtschaftsministerin schließt sich der bereits zuvor vom Traunsteiner Landrat Siegfried Walch (CSU) erhobenen Forderung nach einer Entnahme, also einem Abschuss, des Wolfes an. Sie sieht durch den Wolf die Almwirtschaft und den Tourismus in der Region bedroht. Sorge macht auch, dass das Tier offenbar keine Scheu vor Ortschaften hat. Allerdings: Zuständig für eine solche Ausnahmegenehmigung, einen streng geschützten Wolf zu schießen, ist nicht das Landwirtschaftsministerium, sondern die Regierung von Oberbayern. Dort liegt bereits seit Mitte November der Antrag aus Traunstein vor. Wann mit einer Entscheidung der Regierung zu rechnen ist und wie sie ausfallen wird, ist noch offen. Heidi Geyer/Klaus Kuhn

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