Bad Aibling – Die beiden Christbäume strahlten im Kerzenschimmer und umrahmten den Hochaltar mit der gotischen Marienfigur. Liebevoll ausgewählt hatte Konrad Liebscher das Programm der Weihnachtsorgelstunde in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, alles hatte einen weihnachtlichen Bezug. Christine Dietrich trug dazwischen die Texte der Weihnachtslieder vor, die von den Komponisten bearbeitet waren, und animierte am Schluss die Zuhörer zum Mitsingen des Liedes „Tochter Zion“.
Über allem steht Johann Sebastian Bach: Im BWV 532 ließ Liebscher in zügigem Tempo die Tonleitern und Akkordbrechungen des Präludiums aufschäumen und das Sechzehntel-Thema der Fuge eher gemütlich motorisch kreiseln. Als „zärtlich entschlossene Hochzeitsmusik“ charakterisiert Arnold Werner-Jensen die Choralbearbeitung zu „Wachet auf, ruft uns die Stimme“, BWV 645, die Liebscher zart registrierte, während er die Melodie machtvoll heraustönen ließ. In Glitzerfarben tauchte er die tänzelnden Oberstimmen im Choral „Kommst du nun, Jesus, vom Himmel herunter“, BWV 650, über dem majestätisch dahinschreitenden Cantus firmus.
Am weihnachtlichsten war die mit „Pastorella“ betitelte Suite, BWV 590, deren vier Sätze die Weihnachtsgeschichte beschreiben: Ein bisschen zu laut registriert und ein bisschen zu wenig rhythmisch sich wiegend erklang der erste Satz „Maria wiegt ihr Kind in der Krippe“. Doch dann zogen die Hirten mit freudigen Orgelflötentönen nach Bethlehem, kamen die drei Weisen mit einer Solo-Kantilene herangeritten, und schließlich lobten die himmlischen Heerscharen Gott mit einer quirlig-fröhlichen Fuge.
Georg Friedrich Händel war mit zwei Sätzen aus dem Orgelkonzert Nr. 13 vertreten. Einer ist mit Kuckuck-Rufen und Nachtigall- Gezirpe geschmückt: Auch die Vögel preisen Weihnachten. Auf Händel bezieht sich das „Prélude alla Händel“ von Frank Kaman (geboren 1970), ein fröhlich-festlicher Marsch. Romantisch endete die Orgelstunde: Lieblich umspielt ist die Melodie von „Es ist ein Ros entsprungen“ in der Weihnachtspastorale von Carl Sattler (1871 bis 1938), geradezu umwölkt von in den Himmel schwebender Engelsmusik, hochromantisch im Wiegerhythmus ist die „Cantilène pastoral“ von Alexandre Guilmant (1837 bis bis 1911), festlich brausend dessen Bearbeitung von „Tochter Zion“.
Für den herzlichen Beifall bedankte Konrad Liebscher sich mit der lustig schmetternden „Petersburger Schlittenfahrt“ von Richard Eilenberg. Rainer W. Janka