Schon die Klöpfler an den Donnerstagen im Advent, die von Haus zu Haus gehen und das Weihnachtsfest ankünden, wünschen mit ihren Liedern und Sprüchen den Hausbewohnern ein gutes neues Jahr. Vielfältig sind diese Glückwunschbräuche in der Bevölkerung verankert. So mancherorts gibt es sie auch am Nikolausabend, bei den Herbergsuchen und beim Frauentragen – oder auch bei den in neuerer Zeit entstandenen „Ansingbräuchen“ am Heiligen Abend, die auch von Instrumentalgruppen der örtlichen Blasmusik vor den Häusern der „Honoratioren“ oder der Gönner der Vereine, teils auch auf öffentlichen Plätzen oder Friedhöfen ausgeführt werden.
Natürlich war und ist der Silvesterabend und der Neujahrstag der beliebteste Zeitpunkt für die Bräuche, mit denen musikalisch das neue Jahr begrüßt wird und die Glückwünsche an die Mitmenschen ausgesprochen werden. Überliefert sind Nachtwächterrufe zu den vollen Stunden ab 10 Uhr abends bis zum frühen Morgen. Auch überliefert sind die nächtlichen Umzüge vor allem junger Leute durch die Heimatdörfer oder Ortsteile mit Glückwunschliedern, lautstark – und oft mit alkoholischen Getränken, vermehrt um die Stiftungen und Gaben von angesungenen Hausleuten. Zu den überlieferten Texten aus der bäuerlichen Lebenswelt („Mir wünschen dem Bauern…“ oder „Mir wünschen der Bäurin …“) sind alsbald auch neutralere oder nicht-bäuerlich geprägte Formeln gekommen: „Mir wünschen Euch allen a guats a neis Jahr …“.
In besonderer Weise finden sich die Neujahrswünsche auch in den überlieferten Liedern und Sprüchen der Sternsinger. Der Brauch des Sternsingens ist in Oberbayern sehr weit zurückzuverfolgen – beispielsweise gibt es Rechnungen in Klöstern, die ein „Ansinggeld“ in der Mitte des 15. Jahrhunderts bezeugen (so etwa im Kloster Baumburg 1441). Es gibt regionale Ausprägungen des Sternsingerbrauchs: Er besteht aus dem Gang von Haus zu Haus mit einem oft prächtigen Stern, dem die Kaspar, Melchior und Balthasar folgen, nicht selten auch mit Gefolge. Der ganze Zug erzählt von der Suche nach dem neugeborenen Christuskind, wie es nur vom Evangelisten Matthäus in der Zeit um 80 nach Christus nach mündlichen Quellen aufgeschrieben wurde.
In der oberbayerischen Überlieferung finden sich zahlreiche Lieder und Szenen zum Sternsingen – ganz deutlich wird dabei die „singerische“ Dimension des Brauches, oft auch durch prächtige und vielstrophige Lieder, die sehr ausschmückend den Text des Matthäus-Evangeliums in volksfrommer Umarbeitung beinhalten. Dazu kommt schon früh belegt die Bitte um Gaben für die Sänger oder für die Armen im Ort. Die Neujahrswünsche sind verbunden mit der Segnung des Hauses und der Bewohner, oft in Verbindung mit dem Weihrauch, den die Weisen aus dem Morgenland laut Matthäus zusammen mit Myrrhe und Gold dem Gotteskind überbrachten. Mit einem Zitat aus einem um 1875 in verschiedenen Orten unserer Heimat aufgeschriebenen Sternsingerlied wünscht die Volksmusikpflege des Landkreises Rosenheim allen Leserinnen und Lesern ein gutes neues Jahr: „Wünsch ma enk ein Neues Jahr, weil das alte is jetz gar; Gottes Segen, Glück und Freud, dazu Gesundheit allezeit!“
Gern schicken wir Ihnen eine Auswahl Sternsingerlieder. Schreiben Sie an Ernst Schusser, Friedrich-Jahn-Straße 3, 83052 Bruckmühl (ernst.schusser@heimatpfleger.bayern).