Rosenheim/Köln – Dies ist schon die dritte CD, die Herbert Schuch zusammen mit seiner Frau Gülru Ensari eingespielt hat. Der Titel „In search of…“ meint, dass sich beide hier auf die Suche nach Gemeinsamkeiten ihrer künstlerischen Entwicklung gemacht haben. Zeit dafür hatten sie genug in der Corona-Pandemie.
Herausgekommen ist ein Programm, das vor Lebendigkeit und Spontaneität, Lebens- und Spielfreude sprüht. Die Namensfolge auf dem Cover ist alphabetisch und gleichgeordnet – und wirklich hört man nie, wer jetzt genau was spielt: Dokument einer innigen künstlerischen und sympathetischen Gemeinschaft.
Wie Herbert Schuch es in seinen Solokonzerten so gerne macht, sind auch hier Werke von zwei Komponisten durcheinandergemischt: vier der Slawischen Tänze von Antonín Dvorák und fünf der Ungarischen Tänze von Johannes Brahms. Dabei heben beide bei den Slawischen Tänzen die orchestrale Fülle durch die Betonung der Mittelstimmen heraus und fügen bei den Ungarischen Tänzen „Töne, Verzierungen und kleine Improvisationen“ ein – wie es schon Franz Liszt und später Vladimir Horowitz machten.
„Die Musik aus sich heraus verlangt, so gestaltet zu werden“, begründet Schuch es im Booklet, „in einer Musik, die auch von der Spontaneität im Moment ihrer Aufführung lebt“. Und Gülru Ensari ergänzt: „Bei Brahms gibt es so viele Wiederholungen, dass man unterschiedliche Ideen unterbringen kann.“
Dabei herausgekommen ist ein Spiel voll unwiderstehlich mitreißendem Temperament, farbenfroh und orchestral klangvoll, immer sehr lebendig und spontan wirkend. Der Slawische Tanz op. 72, Nr. 2 in e-Moll zum Beispiel klingt sehr melancholisch-sehnsuchtsvoll, doch nie sentimental schmachtend, sondern immer vorwärtsdrängend.
Rhythmisch fein gestanzt ist die Nussknacker-Suite von Peter Tschaikowsky. Der Tanz der Zuckerfee erinnert mittels geschickten Einsatzes des Pedals an den originalen Klang der Celesta, fast stampfend ist der Rhythmus im Chinesischen Tanz, während im Arabischen Tanz plötzliche Klangeffekte überraschen, die an eine Kinderrassel denken lassen.
Eine programmatische Überraschung ist eine Weltpremiere auf CD: das Stück „Sarmal“ aus dem Jahre 2020 des türkischen Komponisten Oguzhan Balci (geboren 1977), eine Auftragsarbeit von Gülru Ensari, die damit an ihre Kindheit in Istanbul erinnert. Balci schrieb „ein mäanderndes Stück, das musikalische Gedankengänge wie in Dauerschleife präsentiert“, heißt es im Booklet. Schuch und Ensari spielen mit viel Klangsinn und einfühlsamem Gespür für diese motorisch-suchende, im Mittelteil meditativ sich erinnernde Musik, die oft an Schostakowitsch denken lässt. Rainer W. Janka