„Vo Ort zu Ort“ erschien zum ersten Mal im Februar 1997 in den OVB-Heimatzeitungen. Autor dieser Ortsnamenserie war bis April 1999 Professor Johann Höfer, der von 1992 bis 1999 ebenfalls in dieser Zeitung sowie im Münchner Merkur die Sprachserie „Bairisch gredt“ veröffentlichte. Seit 2000 führt sein Sohn Armin Höfer die Serie „Vo Ort zu Ort“ fort.
Hier soll anlässlich des 25. Jubiläums dieser Serie mit einigen Ausschnitten aus Johann Höfers Beitrag „Derndorf und die Farrenpoint“ vom 6. Juni 1997 – Folge Nummer 1 war im Februar 1997 Schwabering – an den Begründer dieser Serie erinnert werden. Derndorf, das am Fuße der Farrenpoint an der Straße zwischen Litzldorf und Bad Feilnbach liegt, ist Johann Höfers Geburtsort, genauer gesagt: der Hof „Beim Schneider“.
Hier nun der Beginn von „Derndorf und die Farrenpoint“:
„Schon im Jahr 777 (…) hatte ein Derndorfer etwas zu verschenken. Ein Mekilo übergab sein Sach der Kirche in Freising (…). Zu lesen ist dies in den Freisinger Traditionen. „Traditionen“ (lateinisch „traditio“ Übergabe) sind die urkundlichen Aufzeichnungen der Kirchen und Klöster über Schenkungen von Grundbesitz, die sie zum Seelenheil der Schenker erhielten.
Damals hieß der Ort (…) Dornegindorf. Andere Schreibungen waren Dornakindorf und im 12. Jahrhundert Dornigindorf (…). Eine Dornenhecke schützt wie eine Mauer und es war ganz natürlich, daß sich ein Dorf mit einem Schutzwall aus Dornstauden umgab.
Die heutige örtliche Aussprache ist „Dejndarf“. „Dejn“ ist ein rar gewordenes Wort für „Doun“ (Dorn, Dornen). Man hört noch: „I homa an Dejn eidrädt. Ziagsd man aussa?“ A Dejnschdaud is oiso a Dounschdaud.“
Das e im Ortsnamen kann alternativ auch aus dem althochdeutschen (750 bis 1050) Adjektiv „dornac“ = dornig erklärt werden, im Dativ „dornakin“; das i in diesem Namen lautete das o zu ö und später wegen Entrundung zu e um: Resultat: Dörndorf, dann Derndorf. In seinem Artikel hat Johann Höfer auch das grammatische Geschlecht des Berges „Farrenpoint“ ebenso humorvoll wie zutreffend erklärt:
„Derndorf liegt gleich unter der 1273 Meter hohen Farrenpoint (…). Bei einer Bladdlbrob, in der Heimatkundliches zur Sprache kommt, zeigen sich einige Dirndl und Buam überrascht: „Du Sepp, wiaso sogst du d Famboid? Hoassd des ned da Famboid? Des is do a Berg.“ „Naa, da Suizberg is a Mannsbild, awa b Famboid is a Weiwaleid. Houchdeidsch: Die Farrenpoint. (…).“ „Ietz glaawis awa! No howis de ganz Zeid foisch gsogg!“
Im weiteren Verlauf seines Textes erklärt Johann Höfer die Herkunft des Flur- und Ortsnamenwortes „point“ aus althochdeutsch „biunda“, „piunta“ = „durch Umzäunung ausgeschiedenes Stück Land“. Wichtig: Es heißt „die“ Point – nicht „der“ oder „das“ Point! Zuletzt erklärt Johann Höfer die Betonung im Begriff „Farrenpoint:
„Weima scho dabei han – Famboid hoassds, ned Fahmboid. De Betonung is hint.“ „Des aa no!“
Der eifrig plattlnde Bub einer frisch zugezogenen Familie: „Was, die Farrenpoint? Glaub ich nich!“
Inzwischen hat auch Wikipedia „die“ Farrenpoint stehen. Johann Höfer hätte es nicht nur wegen seiner literarischen Leistungen (auch die Schulbücher: „Modern English“, „Active English“ stammen von ihm) schon längst verdient, zumindest posthum geehrt zu werden: Schließlich hat er in den 1970er-Jahren durch vehementen und kompetenten Einsatz den Bau eines Flughafens im Naturschutzgebiet Bad Feilnbach-Bad Aibling verhindert, tatkräftig unterstützt von seinen Mitstreitern Anselm Friesenegger (Bad Feilnbach) und Hermann Hohenester (Kutterling). Immerhin wurde ihm 1993 vom damaligen Umweltminister Peter Gauweiler die Bayerische Umweltmedaille verliehen.
Armin Höfer