Rosenheim – „The King’s Singers“, eines der weltbesten Gesangsensembles, waren zum wiederholten Male im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum, ernteten wieder brandenden Applaus und freuten sich sichtbar darüber. Das zahlreiche Publikum im – verkleinerten – Saal bestand zum großen Teil aus kennerischen Chorsängern und auch aus jungen Menschen, die den sympathischen Sängern von Anfang an zujubelten, nach jedem Lied spontan applaudierten und am Ende auch zwei Zugaben erklatschten: Zuerst – im Gedenken an die Comedian Harmonists – „Creole Love Call“ von Duke Ellington, witzig ein ganzes Swingorchester imitierend und parodierend, und dann, als Zeichen des endgültigen Abschieds, ein altes deutsches Volkslied, das bestimmt kaum einer der jungen Zuhörer kennt: „Es dunkelt schon in der Heide, nach Hause lasst uns gehen!“ Und das in perfektem Deutsch mit akzentfreier Aussprache.
Perfekte
Balance
Perfekt ist überhaupt das Wort für diesen Konzertabend: Völlig ausgewogen in perfekter Balance waren die sechs Stimmen, jedoch gerade bei den polyphonen Stücken jeweils gezielt eine der Stimmen heraushebend, völlig unangestrengt in der Tongebung, mit butterweichen Einsätzen, die zartest schwebenden Piani drangen bis zu den letzten Reihen durch, genau ausgehorcht waren die Akkorde. Die fein angesetzten Phrasen schwangen am Ende immer lange gespannt aus. Und perfekt waren auch die – manchmal hintersinnig ironischen – Anmoderationen in eben sauberem, perfektem Deutsch.
Das Programm reichte von William Byrd bis zu den Beatles, also von der Renaissance bis zur Moderne, von der altklassischen Vokalpolyphonie bis zur Popmusik – wobei gerade für die Renaissance-Musik ein halligerer Kirchenraum schöner gewesen wäre. Aber auch so ergriffen die hin- und herwogenden meist vibrato-losen Klangwellen der altklassischen Vokalpolyphonie das Herz. In „Vigilate“ von William Byrd und „Media vita“ von Nicolas Gombert kam noch eine kommunikative, ja appellative Komponente hinzu, da wurden die sechs Sänger beinahe aufgeregt auffordernd: „Seid wachsam! Denkt auch im Leben an den Tod!“ schienen sie uns zuzusingen. Markig-entschlossen erklang Luthers Choral „Ein feste Burg“, in strengem Choralsatz darauf Bachs Choralbearbeitung. Dafür gerieten sie bei „Factum es silentium“ von Richard Derling am Ende in ein lachend-jubelndes Alleluja.
Ebenso perfekt in der Aussprache waren die drei französischen Chansons von Claude Debussy, in farbigem, ja fast plüschigem Klang, eins davon, ein Schlaflied, mit einem einlullenden Dauer-„LaLaLa“.
Der amerikanische Komponist Ned Rorem hat 1984 für die King’s Singers die „Pilgrim Strangers“ von Walt Whitman vertont, woraus die sechs ein Stück in einer kleinen szenischen Form sangen: Musik, die auch in schwierigen Zeiten helfen und vielleicht sogar heilen kann, sagte einer der Sänger dazu. Tatsächlich war diese Musik sehr ergreifend.
Von innig
bis humorvoll
Akkordprunkend schwellend und schwelgend tönte das „Traumlicht“ von Richard Strauss, innig ein estnisches Marienlied, textlich fremd ein gälisches Lied, fröhlich-lustig dann ein englisches Fischer-Tanzlied. Dass die Musik der Beatles musikalisch hochkomplex sein kann, demonstrierten die King’s Singers in zwei Songs, „I’ll follow the sun“ und „Honey Pie“, letzteres humorvoll-pantomimisch dargeboten.
Nach dem Konzert standen die Menschen reihenweise an, um sich CDs signieren zu lassen und mit den sympathischen Sängern zu plaudern: Musik schafft Sympathie – und für zwei Stunden Frieden.