Der Himmel hängt voller Mandolinen

von Redaktion

Erste Matinee der Saison im Künstlerhof mit Natalia Marashova beleuchtet unterhaltsam Geschichte eines alten Instruments

Rosenheim – „Durch drei Jahrhunderte Mandolinenspiel“ verhieß das vom Tonkünstlerverband veranstaltete Konzert im Hans-Fischer-Saal. Zu trocken und lehrhaft? Vergleichbar einer Führung durch ein Kulturmuseum? Weit entfernt! Die Virtuosin Natalia Marashova wusste ihr Publikum eine gute Stunde lang nicht nur musikalisch, sondern auch charmant moderierend bei Laune zu halten. Es schien den Hörern wie ein kurzweiliger Spaziergang durch blühende Gärten und üppige Klangwelten.

Eigentlich sollte es ja ein Duo-Konzert werden. Leider musste die Partnerin aus familiären Gründen kurzfristig absagen.

Nun, dann eben ein Soloauftritt, aber ohne Abstriche, mit allen Schikanen und Raffinessen! Einen „Überraschungsgast“ hatte die Künstlerin aber dennoch aus dem Hut gezaubert, ihr eigener Sohn Emil, der mit seiner Violine dramaturgisch sinn- und reizvoll zum Einsatz kam. Etliche Musiker, etwa Holzbläser, hantieren nicht nur mit einem Instrument, sondern bedienen, je nach Bedarf, eine ganze Kollektion. Dass die Mandoline, die bereits seit dem 11. Jahrhundert ihre Existenzberechtigung nachweisen kann, sich nicht nur weiterentwickelt, sondern auch Varianten hervorgebracht hat, ist verständlich. Auch beweist es die über lange Zeiten unbestrittene Akzeptanz der Mandoline im europäischen Musikleben. So waren denn auf dem Podium einige dieser feingliedrigen und elegant gebauchten Zupfinstrumente postiert.

Eindeutig, wer der Star des Konzerts war! Eine zweite „Primadonna“ muss aber doch noch ins Rampenlicht gerückt werden: Natalia Marashova, die Expertin und zugleich impulsive Musikerin, welche die alten Noten zum Leben im Hier und Jetzt erweckt. Die aufgeführten Komponisten sind als Persönlichkeiten eher Nebensache, doch haben diese „Nonames“ entzückende und gehaltvolle Stücke geschrieben. Überhaupt war das Programm sehr bewusst gestaltet, denn die ganze Bandbreite der Mandoline sollte zum Erlebnis werden.

Mit einer Partita aus dem 17. Jahrhundert begann die Barockmandoline den Reigen. Glasklare, leuchtende Töne erfüllten den Saal. Die Saiten werden nicht mit den Fingern gezupft, sondern mit einem Federkiel. Natalia Marashova verriet dem Publikum, sie bevorzuge Truthahn – und: am besten klängen die Kiele von „Bio-Vögeln“. Na bitte!

Zwei Werke aus der Romantik ließen die Mandoline (jetzt die „moderne“) geradezu orchestral aufrauschen. Die Tremoli hatten eine euphorisierende Sogwirkung. Die beiden Zeitgenossen – ein Grieche und ein Spanier – überzeugten durch eine Tonsprache, welche das Instrument ernst nimmt, aber auf folkloristische Klischees verzichtet.

Beim Largo-Satz aus einem Vivaldischen Konzert assistierte Sohn Emil. Er spielte auf seiner Violine den „Basso continuo“, präzise und tonschön. Dass er auch Melodien makellos zum Klingen bringen konnte, zeigte er bei den Variationen über ein französisches Kinderlied, das bei uns als „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ bekannt ist – und natürlich durch die reizvolle Bearbeitung Mozarts.

Diesmal aber war der Komponist ein Pietro Denis aus dem 18. Jahrhundert. Riesenbeifall für den jungen Künstler, aber auch für die einfühlsame Mama, die sichtlich in der Musik lebte und webte.

Walther Prokop

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