Musik für Puppen und mit Pomp

von Redaktion

Orchester „Die Arche“ spielt englische und französische Werke bei Konzerten in Wasserburg und Stephanskirchen

Stephanskirchen/Wasserburg – Mit Pomp begann’s und endete mit Pomp and circumstance: Das Orchester „Die Arche“ wählte für sein jüngstes Konzert im Antrettersaal sowohl pompöse als auch intime Musik aus England und Frankreich. Beim Konzert davor im Wasserburger Rathaussaal war noch Musik des Orchesters der Masuk High School (USA) mit einem bunten Strauß von Streichermusik dazugekommen.

Pompös ist die „Wassermusik“ von Georg Friedrich Händel, die 1717 allein schon durch die enorme Zahl von 50 Instrumentalisten auf einem Boot verblüffte. Glänzen können dabei vor allem die Trompeten. Diese ließen doch hören, wie anspruchsvoll die Musik für ihre Instrumente ist. Der Dirigent Rainer Heilmann-Mirow achtete auf die Echowirkungen, den rhythmisch richtigen Grundimpuls des Orchesters und den insgesamt festlichen Tonfall.

Nicht genug zu rühmen ist die langjährige Arbeit dieses Dirigenten, der jungen Musikern aus der Region Gelegenheit gibt, sich an großen Werken zu messen. Darüber hinaus aber gibt er den Zuhörern die Möglichkeit, auch seltener gespielte Werke zu hören.

Für das „Concerto pour Marimba et Vibraphone et orchestre“ op. 278 von Darius Milhaud (1892 bis 1974) braucht es eine Extrabühne, um den beiden Schlaginstrumenten Platz zu schaffen. Dem Orchester schien diese doch rhythmisch sehr vertrackte Komposition besser zu liegen, es traf mit scharf konturiertem Klang die komplexe, oft jazzige Rhythmik und schuf auch mit der Verwendung einer Celesta exotisch schillernde Klänge.

Die Solistin Min-Tzu Lee turnte akrobatisch zwischen den zwei verschiedenartigen Schlaginstrumenten und spielte virtuos mit ihren sechs Schlegeln fünf verschiedener Sorten und zwischendurch auch mit den Handkanten. Sphärische Klänge wie von weither produzierte sie im langsamen Satz mit dem Vibrafon. Die „freche und quirlige Klangwelt“ (so das Programmheft) schien den Musikern großen Spaß zu machen und bereitete den Zuhörern große Freude. In der „Nursery Suite“ zeichnet Edward Elgar (1857 bis 1934) liebevoll den Tag eines Kindes nach und charakterisiert dabei drei verschiedenartige Puppen. Schwelgenden Klang entwickelte das Orchester dabei mit einem gut gespielten Flötensolo, mit mal eilfertig-geschäftigen, mal mittels Dämpfer zärtlichen Geigen und einem energisch zupackenden Solo der Konzertmeisterin. Dazwischen fährt mit schwer rollenden Rädern ein Karren vorbei: durchaus sinnliche Musik, farbenfreudig dargeboten.

Schier elektrisiert und aufgeregt rumorend begann darauf Elgars berühmter Marsch „Pomp and circumstance“ mit dem sehr feierlich interpretierten Mittelteil, der zur heimlichen Zweit-Hymne der Briten wurde. Mit dem fröhlich-vergnügt gespielten Frank-Sinatra-Song „New York, New York“ bedankten sich die jungen Musiker für den lang anhaltenden herzlichen Beifall der zahlreichen Zuhörer. Rainer W. Janka

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