Wasserburg – Ganz ohne Reden, nur mit Gesang, Klavierspiel und Lesung, wurden die 16. Wasserburger Theatertage eröffnet, wieder einmal mit hochkarätigen Interpreten: Udo Samel las, Christoph Prégardien sang und Hartmut Höll spielte Klavier. Auf dem Programm stand „Die schöne Magelone“ mit dem Text von Ludwig Tieck und Liedern daraus von Johannes Brahms.
Herzergreifend ist diese Romanze um den schönen Grafen Peter, der die ebenso schöne Prinzessin Magelone liebt, entführt, sich auf dem Meer verliert, als Sklave gefangen wird, sich befreien kann und dann seine Magelone wiederfindet. „Liebe ist ein süßer Ton, der im Traume schläft“, sagt Tieck im Text.
Liebevoll
und träumerisch
Und so liebevoll und mild-ironisch, so melodisch-vokalverliebt und konsonantendeutlich und so märchenhaft-träumerisch und doch realistisch-pointengenau las Udo Samel auch die (gekürzte) Novelle von Ludwig Tieck. Mit großer Spannung hörte man der Liebesgeschichte zu, wie sich das Paar sah und sogleich liebte, wie sprachlos sie am Anfang und wie sprachvoll später waren, um ihre Liebe zu beschreiben, wie ein böser schwarzer Rabe schuld an ihrer Trennung war und wie wundervoll es sich fügte, dass sie wieder zusammenkamen.
Sorgfältig hatten die drei Interpreten die Teile ineinandergefügt, Klavierklänge umschmeichelten oft die die Lieder einleitenden Worte und augenzwinkernd verschmitzt sprach Samel in immer wieder anderem Tonfall die überleitenden Worte: „…und sang.“
Anfangs meinte es Hartmut Höll am Klavier zu gut mit der musikalischen Untermalung, da war es fast eine Übermalung, doch dann fand er die richtige Balance zwischen Begleitung und selbstständiger Mitgestaltung der bisweilen durchaus dramatischen, voll ausgespielten Szenenbilder.
Der Brahms-Forscher Philipp Spitta nannte die „Magelone“-Romanzen „sinfonische Lieder“. Und als solche sang Prégardien sie auch mit kernig-viriler Kraft und in rhapsodisch-dramatischem Duktus, gleichsam arios erzählend, oft selber inbrünstig hingerissen, aber immer akribisch phrasierend. Oft schwammen seine Liebesworte mit im Klangstrom des Klaviers.
Im Kampf gegen
die Meereswellen
Zart-innig gesungen, aber ohne jegliche Sentimentalität war das Schlaflied „Ruhe, Süßliebchen, im Schatten“, aufbrausende Sechzehntelwellen mit vielen Synkopen des Klaviers symbolisieren das Ankämpfen gegen die Meereswellen in „Verzweiflung“. Weinende Sehnsucht herrscht bei dem Lied „Trennung“: Die Zuhörer waren von der Erzählung mit Gesang rechtschaffen ergriffen und brachen am Ende in herzlichen Beifall aus. Nach allem Gesang sprach Theaterleiter Uwe Bertram dann den rituellen Satz: „Die 16. Wasserburger Theatertage sind eröffnet!“