Die Midlife-Crisis als Achterbahn

von Redaktion

Comedian Paul Panzer tritt im Rosenheimer Kultur- und Kongress-Zentrum auf

Rosenheim – Dass die Zeit unerbittlich rinnt, das bekommt jeder einmal zu spüren. Auch Stand-up-Comedians, die sonst gerne Berufsjugendliche sind, müssen sich damit abfinden, dass sie älter werden. So stellte der Kabarettist Dieter Tappert alias Paul Panzer sein neuestes Programm unter die Überschrift „Midlife Crisis“. Und auch wenn einige der Witze vermutlich selbst schon in der Midlife Crisis sind, kommt er im Kultur- und Kongress-Zentrum damit gut an.

Kein Mitleid
in der Pandemie

Eigentlich war die Tour schon vor zwei Jahren geplant, vor der Pandemie. Doch, das bemerkt die Kunstfigur Paul Panzer gleich am Anfang, mit dem Corona-Ausbruch hatte niemand mehr Mitleid mit dem „Paul in seiner Midlife Crisis“. Also tritt Paul Panzer erst im Jahr 2022 auf die Bühne in Rosenheim, deren Bühnenbild ein klassisches amerikanisches Diner ist. Darüber leuchtet ein Neon-Schriftzug: „Midlife Crisis“. Paul Panzer steht in einem grauen, gemusterten Hemd auf der Bühne, dazu eine Anzughose – es sieht nach einem klassischen deutschen Familienvater aus. Er sinniert über das Älterwerden, um natürlich die Unterscheidung aufzumachen, dass Frauen schon lange erkannt hätten, dagegen etwas zu tun: „Nicht dass es immer was helfe, aber grundsätzlich.“ Es geht weiter, man müsse bei Frauen und Humor über die Optik vorsichtig sein. Paul Panzer erzählt von einer gemeinsamen Kreuzfahrt mit seiner Frau Hilde und lästert über ihr Äußeres. Klingt alles nach klassischer Midlife Crisis, ist auch alles nicht neu – aber kommt eben auch immer gut an, das Publikum lacht und applaudiert. Die besseren Momente hat Paul Panzer, sobald er selbstironisch wird. Es geht um ihn als Mann in der Midlife Crisis, der sich ein neues Hobby sucht: Kitesurfen, Dudelsack, Imkern – es geht meist nicht über die Bestellung der Ausrüstung hinaus. Alles gipfelt in der Erkenntnis, „wie unfassbar peinlich“ er als älterer Herr ist, der sich Kitesurfen einbildet. Hier sitzen die Witze, die Geschichten haben gute Pointen und vielleicht haben einige hier sogar ein wenig das angesprochene Mitleid mit Paul Panzer. Nach der Pause geht es weiter mit „Political Correctness“, was man alles angeblich nicht mehr sagen dürfe – während Tappert seit fast eineinhalb Stunden alle möglichen Klischees bedient. Auch das Wort „Schwarz“ sei inzwischen verboten, dabei sei es gar keine Farbe. Das überwiegend weiße Publikum lacht. Allerdings kleidet Tappert alles in die Selbstironie seiner Kunstfigur Paul Panzer, die sieht, dass sich die Zeiten geändert haben. So regte er sich über seinen Vater auf, der im Garten Autoreifen verbrenne. Weiter geht es mit dem Sohn und der Tochter, die ihm in der Pubertät aus der Hand gleiten. Hier kommen die Witze wieder besser und auch Paul Panzers „Imkerphase“ macht ein überraschendes und vor allem lustiges Comeback.

Ein Konfetti als
Sinnbild für ein Leben

Am Lustigsten ist Tappert dann, wenn es ungeplant ist. Zweimal fällt langsam ein einzelnes Konfettiblatt von der Decke. „Ein Sinnbild für mein Leben – ein einziges Konfetti“, sagt er als Paul Panzer. Das laufe bei ihnen unter den Kosten für das Feuerwerk, erklärt er. Vier Konfettiblätter hätten sie insgesamt, zwei seien jetzt schon verbraten. „Jetzt aber mal langsam“, sagt Paul Panzer.

Das Publikum lacht laut, ebenso bei der Zugabe, bei der Paul Panzer sinnlos englische Wörter aneinanderreiht und an der Gitarre singt. Insgesamt ist das Programm eine Achterbahn, mit Höhen und Tiefen – wie die Midlife Crisis eben.

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