Kolbermoor – Vor drei Jahren gastierte Hannfried Lucke, Orgelprofessor am Mozarteum Salzburg, schon einmal beim Kolbermoorer Orgelmittwoch, Damals lernte er auch die frisch restaurierte Orgel der Kolbermoorer Dreifaltigkeitskirche kennen und lieben, die er ihrer Disposition wegen ideal fand für romantische Orgelmusik. Jetzt kehrte er mit einigen seiner Studentinnen zurück an diese Orgel und ließ sie die Besonderheiten der Registrierung ausprobieren. Ja, eine seiner Studentinnen legte sogar auf dieser Orgel ihre Diplom-Prüfung ab, weil der Orgelsaal am Mozarteum renoviert wird. Die Prüfungskommission war eigens dafür nach Kolbermoor gereist. Für einige Tage hieß es nun: „Mozarteum Kolbermoor“.
Zum Abschluss gaben zwei Studentinnen, Danijela Slana aus Slowenien und Yoora Shin aus Südkorea, ein Konzert, das die kennerischen Zuhörer begeisterte. Deren Spiel wurde mit einer Kamera auf die Leinwand übertragen, so dass man die mühelos erscheinende Virtuosität der Künstlerinnen auch sehend bewundern konnte. Mit der warm dunklen Registrierung der Nr. 8 aus den Meditationen op. 167 von Josef Gabriel Rheinberger demonstrierte Danijela Slama schon mal, warum diese Orgel so passend ist für die herbsüße Harmonik der Spätromantik. Das Trio dieses im flotten Marschtempos gehaltenen Stückes („Tempo in marcia“ heißt die Tempo-Vorgabe) registrierte sie noch innig-weicher.
Glitzernder und gleißender, dazu heller und spritziger in heiter-flüssigem Tempo klang die Orgel dann in Bachs Triosonate C-Dur BWV 529.
Obwohl der romantische Klang der Orgel alles in ein gelindes Sfumato hüllt, schafft Danijela Slana es, alles sehr transparent zu halten. Gut durchleuchtet und am Ende ins Ätherische registriert war die hochkomplexe Harmonik in der Melodia B-Dur op. 59/11 von Max Reger und hellauf im Forte strahlend wogte, wallte und brauste das Allegro B-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy dahin, als hätte der Komponist es extra für diese Kolbermoorer Orgel komponiert.
Genauso geschickt baute Yoora Shin ihr Programm auf. In gebotenem Ernst und mit schwerer Seufzermotivik spielte sie das Adagio, kraftvoll-bestimmt das Allegro f-Moll von KV 594 von Mozart, als hätte sie Schillers Schrift „Vom Pathetischen und Erhabenen“ als Vorbild gehabt. Die Orgelsonate Nr. 4 von Josef Gabriel Rheinberger ist vom gregorianischen „Tonus peregrinus“ geprägt: Ruhig ausschwingend und schön elegisch strömte der erste Satz dahin, lyrisch fließend, aber nie zerfließend war das Intermezzo und triumphierend entschlossen kam die „Fuga cromatica“, bei der man das sich die ganze Tonleiter chromatisch hinaufschlängelnde Fugenthema überall hörbar verfolgen konnte. RAINER W. JANKA