Bad Endorf – Dieses Konzert bei den Endorfer Orgelwochen dürfte Seltenheitswert haben: Judith Trifellner-Spalt, die Endorfer Organistin und Leiterin der Orgelwochen, spielte mit André Gold, dem Organisten und vielseitigen Kirchenmusiker aus Neuötting, in der Jakobuskirche zusammen an der großen Sandtner-Orgel und dazu an einer im Chorraum aufgestellten Osterhammer-Truhenorgel, wobei sie sich an den beiden Orgeln abwechselten. Da war Koordination auf große Blick-Entfernung, gutes musikalisches Verständnis und damit stimmiges Timing gefragt.
Feurig
gestaltete Fantasia
Das einleitende Präludium samt Fuge C-Dur von Johann Georg Albrechtsberger (1736-1809) spielten beide an der großen Orgel, also zu vier Händen an einer Orgel. Festlich war das Präludium und – trotz Vierhändigkeit – sehr transparent die fröhliche Fuge.
Zwei große barocke Werke spielte Judith Trifellner-Spalt alleine auf der Sandtner-Orgel: Sehr feurig gestaltete sie die Fantasia super „Komm, Heiliger Geist“ BWV 651 von Johann Sebastian Bach. Machtvoll wuchs der Cantus firmus aus einem langen Orgelpunkt im Basspedal, die Sechzehntel-Kaskaden darüber züngelten wie die pfingstlichen Feuerzungen.
Das Choralvorspiel von Dietrich Buxtehude (1637-1707) behandelt denselben Pfingstchoral und war von der Organistin sorgfältig phrasiert und trenndeutlich registriert. André Gold wählte für seinen Part auf der großen Orgel die „Festival Toccata“ von Percy Eastman Fletcher (1879-1932), einem britischen Komponisten, der eher für Blasmusik bekannt ist. Gold präsentierte diese klang-, pracht- und sehr wirkungsvolle Orgelmusik mit reizvoller Registratur aufs Beste.
Werke für zwei Orgeln scheint es wenige zu geben: Die „Sonata la Leona“, also die Löwinnen-Sonate, von Cesario Gussago (1550-1620) lebt von hübschen Echowirkungen, die durch die Verschiedenheit der Orgeln verstärkt wurden: Die Truhenorgel klingt spielerischer, leichter, ja zierlicher. Orgel oben, Orgel unten, das Weltkind in der Mitten – bei der Canzon von Giovanni Gabrieli (1555-1612), in der sich auch die Rhythmen abwechseln, wähnte man sich fast wie in San Marco in Venedig mit seinen vielen verschiedenen Kirchenräumen.
Gemeinsame
Improvisation
Vier andere gemeinsame Stücke waren gemeinsame Improvisationen, die erst recht aufmerksame Blickbeobachtung fordern. In „Circulum“ mäandert ein Motiv durch den Tonartenzirkel, auch durch die Moll-Tonarten. Die beiden Orgeln reichten sich gleichsam musikalisch die Hände. Eine Chaconne war eine heiter-geistvolle musikalische Unterhaltung, und im abschließenden „Veni creator spiritus“ schwebte die Taube des Heiligen Geistes durch modernere, quirlige, flatternde und flirrende Sphärenklänge. Nicht zuletzt dies bewog die zahlreichen Zuhörer zu spontan aufbrandendem und langanhaltendem Applaus.