Oberaudorf – Auf einem zierlichen klassizistischen Stuhl wartet die zwölfsaitige Viola-d’Amore auf ihren Auftritt, rechts von den Musikern schlägt gerade Judith dem Feldherrn Holofernes den Kopf ab, links grüßt der junge Johannes der Täufer, schwarzgewandete Herren mit weißer Halskrause hören interessiert zu, dazwischen leuchten vielblumige Stillleben und hinter dem Organisten öffnet sich eine arkadische Landschaft: Das vollbesetzte Barockmuseum Oberaudorf bot den üppigen Rahmen für das Debüt-Konzert der Formation „Catacoustic“, begründet von der in Mühlbach/Kiefersfelden lebenden Gambistin Annalisa Pappano. Hier spielte sie mit Michael Anderl (Orgel) und Simon Steinkühler (Barockgeige) Sonaten aus dem Barock.
Dabei mischte sich der warm-füllige Ton ihrer Gambe wohlig mit dem etwas scharf konturierten Klang der Geige, alles von der Truhenorgel harmonisch aufgefüllt.
Stürmisch ging’s los mit einer Sonate von Johann Philipp Krieger (1649-1735), der, in Nürnberg geboren, sich zwischen Kopenhagen und Rom überall musizierend herumtrieb und mit über 2000 Kompositionen sich als sehr fleißig zeigte, und furios endete seine zweite Sonate. Zwei vielsätzige Sonaten stammten von Philipp Heinrich Erlebach (1657-1714), der aus Ostfriesland stammt und Kapellmeister des Grafen von Schwarzburg Rudolstadt in Thüringen und ebenfalls sehr produktiv war.
Am fantasievollsten, lebendigsten, mitreißendsten und rhythmisch vielfältigsten erwies sich eine Triosonate von Georg Philipp Telemann, einem der produktivsten Komponisten der Musikgeschichte. In der letzten Sonate von Erlebach darf dann endlich die Viola d’Amore mitspielen, und gleich klingt alles noch voller und weicher.
Und da hätte man gerne gewusst, was das für eine andere Violine ist, wie sie sich unterscheidet, ob alle Saiten gespielt werden oder nur als Resonanzsaiten dienen: Ein bisschen Wort innerhalb der Musik hätte gutgetan. Nicht jeder weiß, wie eine Barocksonate aufgebaut ist, worin die Raffinessen der Varianz innerhalb einer vorgegebenen Form liegen können und wann man eine Passacaglia mit der durchgehenden Bassfigur erwarten darf.
Und könnte man nicht die Barockbilder miteinbeziehen? Jürgen Jung und Raimund Schreiber, die Gründer des Barockmuseums, können so begeistert und kundig von ihren Bildern erzählen und könnten Analogien zwischen der Malerei und der Musik aufzeigen: Mut zu kommunikativen Konzertformen!RJ