Der Abend der Osterhammer-Orgel

von Redaktion

Virtuoses Gastspiel von Johannes Berger in Greimharting

Greimharting – Mit 18 Registern mutet die gut 20 Jahre alte Orgel, erbaut vom Priener Orgelbauer Willi Osterhammer, eher klein an (die Orgel in der Priener Pfarrkirche verfügt über 50, die des Passauer St. Stephans-Dom gar über 200 Register). Und dennoch braucht sich die Osterhammer-Orgel in Greimharting nicht zu verstecken, wie das Jubiläumskonzert mit Johannes Berger bewies. Der Organist reich differenziert und technisch stupend spielend, dazu farbenreiche Orgelmusik quer durch fünf Jahrhunderte – das alles sorgte für einen stimmigen Spannungsbogen und für Gänsehautmomente. J.S. Bachs (1685-1750) prachtvolle Sinfonia in D aus der Ratswahlkantate, BWV 29, machte den Auftakt, gefolgt von einem zart gespielten Arioso in G aus BWV 156. Für das dreisätzige Concerto in a-Moll, BWV 593, brauchte es kein Orchester, da genügte die entsprechende Einregistrierung der Manuale an der Osterhammer-Orgel, um die Tutti- und Soloensembles des italienisch anmutenden Orchesterkonzertes sinnvoll und mehr noch, brillant virtuos nachzuahmen. Klein, aber fein ging es weiter mit zwei Sätzen aus Ludwig van Beethovens (1770-1827) „Fünf Stücke für Flötenuhr WoO 33“ (eine Flötenuhr ist eine kostbare mechanische Uhr, die mit einer kleinen Orgel kombiniert ist und von einer Stiftwalze gestreut wird, Anm. der Red.). Das Allegro non piu molto Drehorgel-gleich, charmant, heiter-verspielt, dann das sakrale allegro – gelungene Überleitung zur „Communion in G“ von Alexandre Guilmant (1837-1911), bei der die geschwungenen Melodiebögen mit sanfter romantischer Harmonik voll ihren meditativen Charakter entfalteten. Naji Hakims (geb. 1955) „Arabesques" sorgten schließlich für musikalische Kontraste: Abendländisch-christliche Harmonik verwob sich da mit orientalischen Melodien. Derwisch-gleich das Libanaise, wiegend die Pastorale und anbetend die Litanei – und zum krönenden Abschluss vermengen sich noch impressionistische Farbgebung und handfeste Kirmesorgelklänge. Wie kaum ein anderes Instrument vermag die Orgel als Königin der Instrumente Ehrfurcht erwecken – und wenn Johannes Berger dann noch die Schlussakkorde bis ins Unendliche aushält und das Kirchenschiff in gewaltigen Klanggewölben gefangen hält, dann kann man sich dieser Ehrfurcht unmöglich erwehren. Zwei Zugaben von Georg Friedrich Händel (1685-1759) – ein Satz aus der Feuerwerksmusik und die „Ankunft der Königin von Saba“ aus dem Oratorium Salomon – boten noch einmal barocken Schwung, Eleganz und Festlichkeit. Ein faszinierendes Konzert. Ein großer Abend für das Rundumerlebnis Orgelmusik in der spätgotischen Kirche St. Petrus und Leonhard. Und ein großer Abend für die Osterhammer-Orgel. elk

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