Streunende Großstadtkater im Gefecht

von Redaktion

Münchner Philharmoniker „reisen“ auf der Rauchalm durchs historische Europa

Frasdorf – Durchs historische Europa oder doch eine tierische Angelegenheit? Nach dem heiter-vergnüglichen „Opus Number Zoo“ von Luciano Berio (1925-2003) blieb das virtuos aufspielende Quintett der Münchner Philharmoniker im kleinen Stall der Rauchalm zwar die Antwort schuldig. Aber es ging ja weniger um die Location als um die Musik.

Der Genuss – Bläserklänge aus den Federn europäischer Komponisten – war dank der Ensemblebesetzung mit Gabi Krötz (Flöte), Lisa Outred (Oboe), Alexandra Gruber (Klarinette), Christina Hambach (Horn) und Johannes Hofbauer (Fagott) eigentlich schon programmiert.

Mit wunderbar technischem und musikalischem Zusammenspiel, mitkonturiertem Klang, makelloser Intonation und entschlossener Interpretation eines jeden einzelnen Komponisten setzten die Mitglieder der Münchner Philharmoniker Ausrufezeichen: Französisch-höfische Eleganz eines Paul Taffanels (1844-1908) hier, an den Barock angelehnte Trauermusik von Maurice Ravel (1875-1937), dort volkstümliche Klänge beim Quintetto Ungherese von Ivan Eröd (1936-2019) und heiter-groteske Züge mit Berios tierischem Opus. Das Tombeau de Couperin, das Maurice Ravel verstorbenen Komponisten und im Ersten Weltkrieg gefallenen Freunden mit raffinierter Harmonik, sinnlichem Rhythmus und anziehender Melodik widmet, war tröstlich und bezaubernd zugleich: Poetisch geriet die Forlane, Dudelsack-gleich lud die Musette zum Tanz und brillant-beschwingt wiegte sich der Rigaudon.

Elegant, lebhaft und dynamisch war das Quintett for Winds von Paul Taffanel. Beim Andante spielte das Quintett seine Linien großartig aus, traf den lyrischen Tonfall perfekt – da verschmolzen und mischten sich wunderbar die Klangfarben der Instrumente, da verband sich opernhaftes Pathos mit typisch französischer, tänzerischer Grazie und weichem, stimmungsvollem Bläserklang.

Nicht minder raffiniert und doch ein bisschen moderner im Klang dann das Quintetto Ungherese des ungarischen Komponisten Eröd: Heiter und tiefernst ganz im Sinne des Barock, dazwischen eine ungarische Weise. Aus dem beinahe zu schwelgerisch-ruhigen Andante tranquillo entwickelte sich ein schönes Geben und Nehmen im lebhaften allegro vivace.

Kurios-doppelbödig dann das Finale mit dem Opus Number Zoo: Hier spielen die Musiker nicht nur ihre Instrumente aus, sondern rezitieren auch im Wechsel Texte. Da dient der Kuhstall als Tanzboden, wenn sich das Hühnchen auf einen Tanz mit dem Fuchs einlässt und zu spät merkt, dass dabei ein Licht erlischt – sein eigenes Lebenslicht.

Da wähnt man sich auf der Wiese mit dem Rehkitz, da lauscht man der tanzmüde gewordenen alten Maus über die Last des Alters und dort liefern sich zwei streunende Großstadtkater ein beeindruckendes Gefecht – allerdings ohne Sieger. Wundersam und wundervoll zugleich, was für ein prägnanter Schluss, da musste noch eine Zugabe her.

Mit dem letzten Satz aus dem Divertimento Nr 1 B-Dur von Joseph Haydn (1732-1809), der sogenannten Feldparthie, verabschiedeten sich die Musiker. Das Kehraus-Finale in Rondoform – perfekter Rausschmeißer für Kammermusik im Kuhstall.

Elisabeth Kirchner

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