Thonbichl – Der Weiler Thonbichl, vor der Gebietsreform der 1970er-Jahre Teil der Gemeinde Tattenhausen, gehört inzwischen zur Gemeinde Großkarolinenfeld. Auf den ersten Blick zeigt sich Thonbichl, das tatsächlich auf einem „Bichl“, einem Hügel also, liegt, als normales kleines Bauerndorf. Nur ein Gebäude sticht etwas heraus, weil es im Stil einer Bahnhofsrestauration des 19. Jahrhunderts gebaut ist: mit Ziegelsteinen, ohne Verputz, mehrstöckig und langgezogen. Katharina Pronberger, die Autorin der „Chronik von Tattenhausen“, schreibt: Dieses Gebäude sei tatsächlich als Teil eines Bahnhofs „Thonbichl“ geplant gewesen, bis die Bahnlinie München – Rosenheim – Salzburg im letzten Moment entgegen der ursprünglichen Linienführung weiter nach Osten verlegt wurde. Begründung: Die durch erhöhten Wasserdruck instabilen Bodenverhältnisse hätten einen Gleisbau nah bei Thonbichl nicht zugelassen. Ob die Bodenbeschaffenheit aber auch für die Namensgebung des Ortes verantwortlich war? Die erste Namensnennung von Thonbichl erfolgte im Sommer des Jahres 1166, wie aus den Texten 18 und 19 des Codex Falkensteinensis, den Rechtsaufzeichnungen der Grafen von Falkenstein, ersichtlich ist. Hier heißt es: „De Tampuhelen datur aries I, de Tatenhusen II“. Der Widderzins betrug demnach für Thonbichl ein Tier, für das nahe, größere Tattenhausen zwei Widder. Das Grundwort „puhelen“ steht wegen der Präposition „de“ im Dativ Singular und bedeutet zunächst „vom Tam-Bichl“, oder, als Ortsname aufgefasst, „von/aus Tam-Bichl“. Aber wie wurde aus dem Bestimmungswort „Tam“ ein „Thon“? Die heutigen Aussprachen „Doobihi“ – mit Nasalierung des (geschlossenen) o-Lautes und Betonung der ersten Silbe des Namens – sowie „Donbihi“ mit Betonung des „Bihi“ lassen eine Verdumpfung des ursprünglichen A-Lauts in „Tam“ erkennen, vergleichbar mit bairisch „Moo“ für Mann. Die Herkunft des Bestimmungswortes scheint klar zu sein: Ernst Förstemann nennt in seinem Werk „Altdeutsches Namenbuch“ aus dem 19. Jahrhundert keinen Namenspatron wie bei Tattenhausen – Toto oder Tato –, sondern das Bestimmungswort „Tann“. Dementsprechend kommt gelegentlich im Laufe der Zeit auch die Schreibung „Tannbichl“ vor. Dagegen spricht aber die Schreibung der nahe gelegenen Orte Hohenthann, Innerthann und Thann, bei denen das A in der Schreibung erhalten ist.
Eine große Hilfestellung leistet hier aber Manfred Schaulies, der ehrenamtliche Archivar des Historischen Vereins Bad Aibling. Er präsentiert einen Zeitungsbericht vom September 1950 mit dem Wortlaut: „Der Name Thonbichl ist mit den Tonschichten zu erklären, die hier auftreten und im nahen Linden ein Tonwerk erstehen ließen.“
Dies erinnert an eine kürzlich mündlich geäußerte Information Katharina Pronbergers, wonach die Beschaffenheit des Erdbodens von Thonbichl sehr lehmhaltig sei.
Sprachlich gesehen wurde althochdeutsch „thâha“ ‚Ton, Lehm, Töpfererde, irdenes Gefäß‘ zu mittelhochdeutsch „dâhe, tâhe“. Dessen Genitiv und Dativ lauteten „dâhen, tâhen“. Vor N wurde dann das A zu O verdumpft, was schließlich zum Wort „Ton“ führte. So wird beispielsweise Tonberg bei Leipzig erklärt. Die Münchner könnten daher ihr „Berg am Laim“ auch – kürzer! – Thonbichl nennen!