Gegensätze bestimmen ihr Werk

von Redaktion

Ausstellung würdigt Schaffen der 2019 verstorbenen Künstlerin Christine Dobler

Tacherting – Christine Dobler war aus familiären Gegebenheiten die Wirtin der Gaststätte „Zur Post“ in Tacherting, gleichzeitig aber war sie eine außergewöhnlich begabte Zeichnerin, Malerin und Grafikerin.

Mit großem Engagement hat sich Christine Dobler, die im April 2019 verstarb, der Bildenden Kunst verschrieben und sie bis zu ihrem Tod zum Lebensinhalt gemacht. Als Künstlerin in der Region beschritt sie konsequent, energisch und auch erfolgreich ihren künstlerischen Weg.

Pandemie hat erste Würdigung verzögert

Sie bestimmte zu ihren Lebzeiten, dass ihr Wirken und ihre Werke in eine Stiftung integriert werden sollen, die den Namen ihres Vaters Martin Gröbner erhalten soll. Seit Juni 2020 besteht nunmehr die von Christine Dobler initiierte „Martin-Gröbner-Stiftung“. Pandemiebedingt konnte erst heuer die Würdigung von Christine Dobler und eine erste Ausstellung mit ihren Arbeiten geplant und realisiert werden. Mit dem Titel „Christine Dobler und ihre Künstlerfreunde“ sind im Salzstadel in Tacherting noch bis Freitag, 8. Juli, überwiegend Arbeiten der Stifterin zu sehen.

Daneben sind aber auch einige Werke ihrer Künstlerfreunde, Franz-Xaver Angerer aus Inzell, Renate Polzer aus Wien, Horst Reichle aus Biberach und Ninon Voglsamer aus München zu besichtigen. Die ausgestellten Werke von Christine Dobler geben räumlich bedingt einen kleinen, aber sehr informativen Einblick in ihr langjähriges künstlerisches Schaffen.

Doblers Kunstschaffen war geprägt von der Wandlungsfähigkeit und dem Experimentieren mit unterschiedlichen künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten, vom Erproben neuer Mal- und Farbtechniken, dem Einsatz verschiedener Materialien und im besonderen Maße dem Zeichnen mit unterschiedlichen Stiften sowie der Anwendung verschiedener grafischer Drucktechniken.

In ihren 45 Jahren künstlerischen Schaffens hinterließ sie ein umfang- und facettenreiches Oeuvre mit verschiedenen Werkgruppen und Bilderzyklen. Die Dimension ihres Kunstschaffens reicht vom Gegenständlichen bis hin zu abstrahierender Formensprache. Sie war ein fantasievolles Talent mit hervorragendem fotografischem Gedächtnis und konnte dadurch Eindrücke zu ausdrucksstarken Bildern werden lassen. Gegensätze bestimmen ihr Werk.

Die Auseinandersetzung mit der Druckgrafik, dann wieder die vollkommene Proportion der Menschengestalt in ihrer Malerei, ihre abstrakten Arbeiten und dann wieder die Beschäftigung mit der Natur, der Landschaft und Architektur. Ihre Neugier und das Experimentieren veranlassten sie an verschiedenen Malertagen und Treffen mit Künstlerkollegen im In- und Ausland teilzunehmen.

Dazu zählten die Symposien auf Kloster Seeon, die zahlreichen Treffen des internationalen Maler- und Bildhauer-Symposiums, die „Havanna Art“ auf Kuba sowie der Besuch der Internationalen Akademie für Bildende Kunst in Salzburg und der Kunstakademie in Augsburg. Ihr Bemühen war stets, das künstlerische Leben in ihrer Heimat mitzugestalten und zu bereichern. Deshalb veranstaltete sie selber in Tacherting zweimal die Chiemgauer Radiertage (1997 und 2012), von denen ein Video in der Ausstellung präsentiert wird, sowie Radier-Workshops.

Sie lud mit den Sommerakademien Tacherting 2015 und 2016 künstlerisch kreativ arbeitende Menschen zu Seminaren und Workshops ein und zeigte in zahlreichen Ausstellungen im Salzstadel ihre Arbeiten und Werke von Künstlerkollegen.

Stiftung vergibt Grafik-Preis

Mit ihrem Engagement für die Kunst und mit ihren Exponaten sowie ihrer „Martin-Gröbner-Stiftung“ mit der jährlichen Vergabe des „Christine-Dobler-Grafik-Preises“ hat sie sich eine unvergessliche Position als Künstlerin und Förderin für Kunst und Kultur in unserer Region geschaffen.

Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 8. Juli, im Salzstadel in Tacherting, Trostberger Str. 4, täglich von 15 bis 19 Uhr zu besichtigen.

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