Bernau – Regisseur Detlev F. Neufert aus Bernau liebt seine Schauplätze in Asien, das zeigen gerade seine letzten Filme. Doch mehr als die schönen Bilder hat er bei seiner Arbeit dort die Menschen im Blick, auch bei seinem sehr persönlichen Sponsoring danach – ganz aktuell in Myanmar. Hier geht es ihm speziell um die Jugend, denn gerade sie hat es nach dem Militärputsch besonders schwer. Die burmesischen Generäle machten am 1. Februar 2021 brutal Schluss mit den Hoffnungen der jungen Menschen auf ein freies und selbstbestimmtes Leben. Kurz vor dem Putsch wurde Neuferts aktueller Film „B.B. und die Schule am Fluss“ nach drei Jahren Drehzeit fertig. Bei seinem rein privaten Sponsoring engagiert sich seit Kurzem die Hanns-Seidel-Stiftung, was auch mit dem Film und seiner ganz eigenen Entstehungsgeschichte zu tun hat.
Stiftung
unterhält Internat
Seit dem Jahr 2000 finden Kinder aus armen Schichten und missachteten Ethnien Burmas Aufnahme im Internat der Myanmar Foundation. Die christlich geprägte Schule in Bagan, am Ostufer des Irrawaddy-Flusses, bietet ihnen die Chance auf einen Schulabschluss, den sie sonst nie erreichen würden. Neufert drehte 2017 für die bayerischen Förderer der Schule in der alten Tempelstadt einen Imagefilm. Dabei entdeckte er unter den Schülern den 13-jährigen Goura Moe vom Stamm der Naga, sein fröhliches Selbstbewusstsein machte ihn zum idealen „Hauptdarsteller“. Sein Name bedeutet so viel wie „mutiger Junge“, oder auch „brave boy“, und so sind die Initialen B.B. seitdem sein Spitzname.
Der Imagefilm war bald fertig, dabei war laut Neufert „so viel tolles Material“ entstanden, dass ihn die Idee zu einem eigenen Film mit B.B. nicht mehr losließ. Im Lauf von drei Jahren hat er mit seinem kleinen Team von der Yangon Film School (YFS) den jungen Naga mehrmals durch sein Schülerleben begleitet. Ein Höhepunkt ist seine dreitägige Reise vom Dorf im Nagaland bis zur Schule in Bagan, wobei einmalige Landschaftsbilder entstanden. Die Bootsreise auf dem Irrawaddy-Fluss ist reine Filmpoesie, gerade weil der Filmemacher, wie im gesamten Film, auf Musik und Kommentare verzichtet. Er verlässt sich lieber auf den Original-Ton der melodischen burmesischen Sprache und auf kluge Untertitel.
Im Jahr 2020, B.B. war inzwischen 16 Jahre alt und sein Abschluss stand kurz bevor, sah die ganze Schule bei einer Extra-Vorführung mit großer Begeisterung „ihren“ Film. Selbst produziert und finanziert hatte der Streifen mitten im ersten Corona-Jahr „zu Hause“ erst einmal Pause und der Regisseur reichlich Zeit, ihn technisch und kreativ zu optimieren. Festivals im Ausland haben ihn trotzdem wahrgenommen, es gab Preise aus den USA, Indien, Italien, England und aus Bhutan. Besonders gefreut hat den freien Filmemacher das Vier-Sterne-Lob der Jugend-Filmjury der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW), Zitat: „Wir wachsen zwar anders auf und doch bewegen wir uns alle in der gleichen Gefühlswelt“.
Neufert hat dem Film ein sehr persönliches Statement vorgeschaltet, eine ernsthafte Mahnung, die Menschen und besonders die Jugend in Myanmar nicht zu vergessen in ihrem Kampf gegen den Terror des Militärs. Auch persönlich erzählt er seinem Kinopublikum gerne, wie er seit dem Putsch über Facebook und Video-Telefonate mit der „Schule am Fluss“, mit B.B. und mit seinem Filmteam in Kontakt ist. Die Schule ist geschlossen, B.B. ist zurzeit wieder in seinem Dorf im Nagaland, andere sind im Untergrund und bewaffnen sich.
Einnahmen als Spenden an Projekte
Von den überschaubaren Einnahmen aus den Filmvorführungen – ein Verleih hat sich noch nicht gefunden und das TV winkte bisher ab – spendet Neufert einen Großteil an Projekte und persönliche Kontakte in Burma. Er hat dafür effektive Wege gefunden. Das Geld kommt dort an, wo es gebraucht wird. Zum Beispiel beim Kinderheim von Father Robert, dem schon 300 Euro reichen, um seine rund 40 Waisen im Kleinkindalter einen Monat lang zu versorgen. Im Film besuchen B.B. und ein Mitschüler im Rahmen eines sozialen Schulprojektes dieses Heim in einer primitiven Baracke am Rand von Yangon. Father Robert und sein gütiger Umgang mit seinen kleinen Verlorenen und Vergessenen gehören zu den berührendsten Momenten in Neuferts Film.
Die Hanns-Seidel-Stiftung lädt vom 14. bis 16. Oktober zu einem Seminar im Kloster Banz ein. Thema: „Jugend im Widerstand“, Leitung: Detlev Neufert. Im Münchner Museum Lichtspiele veranstaltete die Stiftung kürzlich eine Sondervorführung, anschließend Diskussion mit dem Regisseur. Das sieht nach einer Förderung aus, die Sinn macht.