Robert Schumann ein Vorgänger der Comedian Harmonists?

von Redaktion

Vokalquartett „CantoSonor“ singt zum zehnjährigen Bühnenjubiläum die „Dichterliebe“ in einer Jazzversion

Stephanskirchen – Robert Schumann verjazzen: Geht das? Noch dazu seine Liedersammlung „Dichterliebe“ auf Texte von Heinrich Heine? Ja, es geht, und wie! Das Vokalquartett „CantoSonor“ zeigte es zu seinem zehnjährigen Bühnenjubiläum im Gasthaus Antretter in Stephanskirchen unter dem Titel „Dichterliebe reloaded“. „Da ist soviel Jazz schon drin in Schumanns Musik“, sagte der Bassist Michael Doumas in seiner klugen Moderation. Ulfried Haselsteiner, der zweite Tenor, hat die Arrangements geschrieben und sich extra einen Steh-E-Bass dazu gebaut, der Bariton Florian Podgoreanu schuf mit dem Besen den oft sanften Rhythmus dazu und spielte E-Piano, Markus Herzog, der Tenor-Lokalmatador aus Schloßberg, sang den ersten Tenor und Carlos Goikoetxea gab den Jazzpianisten.

Die insgesamt sechzehn Lieder waren teilweise umgestellt und ineinanderfließend, aber immer erkenntlich. Schumanns hochkomplexe Harmonik klang, auf ein Männerquartett verteilt, noch dichter, dramatisierter und oft viel emotionaler und verrutschte unmerklich immer wieder in Jazz-Harmonik. Oft verdeutlichte die Jazz-Version die Lieder, ja entstellte sie zur Kenntlichkeit. Die vier Sänger machten gekonnt ihre Opernstimmen vollmundig-leis und tränenreich weich, sangen dabei immer mit Herzblut und betörend schön. Traumverhangene gläsern-fragile Klänge vom E-Piano verwandelten das Lied „Allnächtlich im Traume“ in ein Vokal-Nocturne, satte Sext-Akkorde symbolisierten die Tränenflüsse, „Wenn ich in deine Augen seh‘“ begann in einem schüchtern-zarten A-cappella, die Schmerzen waren durch die Jazz-Harmonik ins äußerst Schmerzvolle gesteigert, während „Ich will meine Seele tauchen“ tief in diese Jazz-Harmonik getaucht war und das Schlusslied, das Begräbnis der Liebe, als Trauermarsch daherkam. Am besten „reloaded“ waren zwei Lieder: „Ich hab‘ im Traum geweinet“, im Original klangasketisch nur mit dumpfen Staccato-Akkorden begleitet, begann mit einem echt jazzigen „walking Bass“, füllte sich dann zusätzlich mit der Liebestrauer-Arie „When I am laid“ aus der Oper „Dido and Aeneas“ von Henry Purcell und versank in gesungenen Tränenfluten. Und das bitter-ironische „Ein Jüngling liebt ein Mädchen“ klang wie ein Song der altbekannten „Comedian Harmonists“, bös-witzig und rhythmisch-charmant. War Robert Schumann ein heimlicher Vorgänger dieser „Comedian Harmonists“? Für den herzlichen Beifall der vielen Zuhörer an diesem sonnigen Sonntagvormittag bedankten sich die vier Sänger mit der vier- und vollmundigen „Zueignung“ von Richard Strauss mit der emphatischen Zeile „Habet Dank!“ darin. RAINER W. JANKA

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