Alte Wahrheiten gelten auch im Puppenspiel nicht mehr

von Redaktion

Preis der Franz-Graf-von-Pocci-Gesellschaft für „Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater“

Maxlrain – Die Franz-Graf-von-Pocci-Gesellschaft wurde 2002 gegründet und feiert heuer ihr 20-jähriges Bestehen. Sie hält seitdem die Erinnerung an den „Kasperlgrafen“ wach, als der Graf Pocci wegen seiner über 40 für das Münchner Marionettentheater geschriebenen Stücke vor allem bekannt ist, und pflegt auch sein weiteres Werk. Ein weiteres jährliches Highlight ist die Verleihung des Pocci-Preises, mit dem seit 2006 meist lokale Marionettenbühnen oder Figurentheater, aber auch Kabarettisten und Musiker wie Gerhard Polt und die Biermösl Blosn ausgezeichnet werden. Im Jubiläumsjahr 2022 wird der Preis an Josef Parzefall und Richard Oehmann für ihr „Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater“ vergeben. Sie führen seit fast 30 Jahren nicht nur Kasperltheater-Stücke auf, sondern erfreuen Kinder und Erwachsene gleichermaßen mit ihren zahlreichen Hör-CDs (begleitet von renommierten Musikern wie Quadro Nuevo oder Stofferl Well). Die Auszeichnung wurde beim Gastspiel der Kasperl-Bühne im Rahmen des „Maxlrainer Kultursommers“ übergeben. Bei der Preisverleihung in Gestalt einer Statue von Franz Graf Pocci waren auch der Erste Vorsitzende des Kulturfördervereins Mangfalltal in Maxlrain e.V (und Tuntenhausener Bürgermeister), Georg Weigl, und der künstlerische Leiter des „Maxlrainer Kultursommers“, Hubert Dobl, anwesend.

„Seit 1994 erfreut Ihr mit Eurem ‚Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater‘ eine wachsende Zahl von kleinen und großen Fans. Es war also höchste, allerhöchste Zeit, dass Ihr endlich auch den Pocci-Preis erhaltet“, erklärte der Zweite Vorsitzende der Franz-Graf-von-Pocci-Gesellschaft, Dr. Michel Stephan, in seiner Laudatio. Er wies auf die Persönlichkeit des Grafen Pocci hin, der nicht nur hoher Hofbeamter unter drei bayerischen Königen war, sondern auch als Maler, Karikaturist, Komponist und Autor ein begabter Künstler. Er setzte sich im Jahr 1858 dafür ein, dass in München ein erstes Marionettentheater errichtet werden konnte. Der Laudator hob hervor, dass die geehrte Bühne in ihren Stücken „Kasperl und der schwarzblaue Bläuling“ und „Kasperl und das Löffelkraut“ immer wieder Fragen des Naturschutzes spielerisch abhandelt. Poccis Kasperl seien politisch gewesen, weil er das Selbstbewusstsein des Einzelnen stärkte im Kampf gegen die obrige Obrigkeit. „Auch bei ‚Doctor Döblinger‘ verschwimmen Gut und Böse, die Hexe ist eher schrullig und Prinzen und Prinzessinnen eher doof als toll“, stellte Dr. Stephan fest und führte weiter aus. „Alte Wahrheiten gelten nicht mehr. So wie im normalen Leben. Wer weiß noch, wer heute die Bösen sind? Die Banken oder die Bankräuber? Und deshalb passt dieser Kasperl in unsere Zeit, genau wie Poccis Larifari in seine Zeit passte. Und deshalb herzlichen Glückwunsch zu diesem hochverdienten Pocci-Preis für Euer ‚Doctor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater‘.“ Knapp fiel die Reaktion des hocherfreuten Josef Parzefall aus: „Den Preis empfinde ich als Anerkennung.“ Johann Baumann

Artikel 7 von 9