Wie man sich eine Heimatmit allen Sinnen erwandert

von Redaktion

Zwei Begeisterte beschreiben Wege rund um Traunstein

Wanderführer über den Chiemgau gibt es ganze Regale voll, auch solche, die das Gebiet eingrenzen und neben den bedeutenden Sehenswürdigkeiten auch die liebenswerten erwähnen, die etwas weiter von den Hauptrouten entfernt sind. Selbstverständlich gibt es auch Genuss-Wanderbücher, die zu Wirtshäusern, Cafés und Almen führen, wo man besonders gut bewirtet wird, und Anleitungen, die zu Denkmälern und historisch bedeutsamen Orten führen. Der moderne Wanderer kann sich zudem auf Geocaching-Touren machen, die ihn zu Zielen führen, die ohne GPS gar nicht bemerkt würden. „Im Traunsteiner Land“ unterscheidet sich von diesen Angeboten auf eine persönliche, leicht nostalgische Weise: Da nehmen zwei begeisterte Einheimische den Leser und die Leserin quasi bei der Hand und zeigen ihnen ihre Heimat: die Landschaft, die Bäume, die Blumen, die Gräser, die Bäche und Seen, die Häuser, Kapellen, Wegkreuze, die Ausblicke in die Weite… alles voller Zuneigung und mit einem umfassenden Wissen, das sie sozusagen ungefragt gerne einfließen lassen. Sie tun das nicht mit gschaftlhuberischer Beflissenheit, sondern liebevoll und großzügig. Ihre Heimat hat das alles einfach. Und aus dem Stolz darauf wächst ihre Haltung. So sind die empfohlenen Rundwege allesamt so ausgewählt, dass sie bekannte Ziele enthalten, aber auch über Waldwege führen, auf denen nur die Naturerfahrung zu gewinnen ist und über Wiesen und Felder, die nur den Blick auf die Agrarlandschaft bieten oder Fernblicke auf die Voralpenlandschaft.

Das lässt Raum für eigene Empfindungen, für Neugier und Sehnsüchte. Jeder Wanderempfehlung sind Hinweise auf historische Ereignisse hinzugefügt, angereichert mit Geschichten, Porträts von Persönlichkeiten, Beschreibungen von Kunstgegenständen und literarischen Werken. Und mit demselben Heimatverständnis geben Autorin und Autor auch ihre Tipps für gutes Essen und Trinken. Was einen guten Heimatführer auszeichnet, ist es, wenn es einen Einheimischen, der alle die schönen Fleckerl, von denen die Rede ist, schon kennt, in den Füßen juckt, die Wege wie beschrieben nachzugehen. Josef Wittmann

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