Befindlichkeiten einer Einkaufsstraße

von Redaktion

Der gebürtige Wasserburger Ralph Hammerthaler als „Straßenschreiber“ in Oberhausen

Wasserburg/Oberhausen – Geboren ist er 1965 in Wasserburg, wo er am Luitpold-Gymnasium Abitur machte. Damals war Ralph Hammerthaler freier Mitarbeiter unserer Zeitung und trat auch als Liedermacher auf. Der heute 52-Jährige, der eine Dissertation in Soziologie über Politische Öffentlichkeit verfasst hat, veröffentlichte 2002 mit „Alles bestens“ den ersten seiner bisher fünf Romane. Hammerthaler schreibt auch Opern-Libretti, Theaterstücke sowie Erzählungen und Essays, war Stadtschreiber in Dresden, Rheinsberg, Prishtina und Split sowie zuletzt „Straßenschreiber“ in Oberhausen.

Im September 2017 entstand nach einer Lesung beim Oberhausener Literaturverein die Idee, Hammerthaler als „Straßenschreiber“ über die dortige Marktstraße zu engagieren. Der Verein organisierte den Aufenthalt, besorgte Geld, eine Wohnung und die Herausgabe des Essays.

Hammerthaler hat in zwölf Interviews mit Geschäftsleuten und Gesprächen mit weiteren Zeitgenossen ein schnappschussartiges Porträt dieser mit 1,4 Kilometer längsten Einkaufsstraße der 210 000-Einwohnerstadt geschaffen. Nach dem Ende der Eisen- und Stahlindustrie und durch den Bau des gigantischen Einkaufszentrums CentrO hat sich die Innenstadt stark verändert.

Hammerthaler beleuchtet, was die Einheimischen umtreibt, wie sich die Zugezogenen eingelebt haben. Die Gewerbetreibenden haben unter der Umstrukturierung gelitten, manche aber auch neue Chancen ergriffen. Der Autor lässt die Befragten in Ich-Form und kurzen, prägnanten Sätzen zu Wort kommen. Zwischen den Zeilen schwebt häufig ein lakonisches Grundgefühl nach dem Motto: „Es ist, wie es ist.“

Rosenheim hat sich vor Jahren zugunsten seiner Innenstadt gegen ein großes Einkaufszentrum am Bahnhof entschieden. In Hammerthalers Bändchen kann man nachempfinden, wie die Innstadt heute ausschaute, wäre es gebaut worden. Ein „Straßen- und Platzschreiber“ im Oberzentrum der Region könnte ein interessantes Vergleichsbild liefern. Hendrik Heuser

Lesung

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