Arien kulminieren in einem Feuerwerk pointierten Witzes

von Redaktion

„Ensemble &cetera“ begeistert mit frühbarocken Klängen im Wasserburger Rathaussaal – Dominantes theatralisches Element

Wasserburg – Man meinte eine Fortsetzung der „Inntaler Klangräume“ zu erleben: Die Einheit von Musik und Raum war nicht zu überbieten. Mit frühbarocken Klängen vor der Kulisse der prachtvollen Wandmalerei im Wasserburger Rathaussaal zog das „Ensemble &cetera“ das Publikum immer mehr in seinen Bann.

Peter Adler und Concenti musicali hatten als Veranstalter die hochkarätigen Musiker aus Basel eingeladen. Eigentlich waren bei diesem Konzert in erster Linie Frauen zugange, die Sopranistinnen Ulrike Hofbauer und Kristine Jaunalksne, Brigitte Gassner an der Lirone (einem celloartigen Streichinstrument), Julian Behr mit Theorbe sowie Chitarra battente (der „geschlagenen Gitarre“) und Marie Bournisien an der Harfe. Und das Programm stellte ebenfalls eine Frau in den Mittelpunkt, die großartige Komponistin Barbara Strozzi (1619 – 1677).

Das lakonisch wirkende Motto des Abends „Venezia, Barbara. Privat“ umreißt knapp aber umfassend das Profil des Konzerts: Wir dürfen im Salon der gesellschaftlich arrivierten Musikerin Barbara Strozzi in privat intimer Atmosphäre ihrer und der Musik ihres Umfelds lauschen.

Zu diesem zählten nicht nur die berühmten Claudio Monteverdi und Francesco Cavalli, sondern auch exzellente Unbekannte mit melodiösen Namen: Giovanni Rovetta etwa oder Benedetto Ferrari, Bellerofonte Castaldi. Steife und zeremoniöse Madrigale? Keineswegs. Die Emotionen platzten sozusagen aus allen Nähten, das theatralische Element dominierte und man spürte, dass zu dieser Zeit des frühen 17. Jahrhunderts die Oper in den Startlöchern schon ungeduldig auf ihren künftigen Siegeszug harrte. Die deutsche Übersetzung der italienischen Texte wurde zwar im Programmheft mitgeliefert, aber im Grunde wussten die beiden Sängerinnen die Gefühle, oder wie man früher sagte, die Affekte, gestisch und mimisch unmittelbar verständlich zu machen.

Mit schelmisch blitzenden Augen und beredter Aktion, mit abwehrenden Gesten oder zustimmender Gebärde sangen sie „Ich betrachte dich, ich genieße dich, ich ergreife dich, ich umschlinge dich“. Und wenn das nicht klappen sollte: „Ich will, dass diese Knochen zu Staub zerfallen!“ Geht’s noch direkter? In den beiden Madrigalen der Strozzi „Timore“ und „Amor dormiglione“ wuchsen Hofbauer und Jaunalksne über sich hinaus, legten den Habitus der Konzertsängerin ab und mutierten zu funkensprühenden Operndiven.

Mit ungezügeltem Temperament beschworen sie Furcht, Hoffnung, Freiheit und – die Liebe. Diese „Arien“ kulminierten zum Schluss in einem Feuerwerk pointierten Witzes: hinreißend wie eine Commedia dell’arte.

Brigitte Gassner, Julius Behr und Marie Bournisien grundierten den glasklaren, geschmeidigen und zupackenden Gesang nicht nur mit wohltönend-attraktiver Begleitung, sondern verströmten das Aroma einer feingliedrigen Klangpracht auch in einigen reinen Instrumentalstücken. Fünf Sterne!Walther Prokop

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